Letztes Feedback

Meta





 

Krieg/Frieden/Faschismus/Realex.Sozialismus

Über die Frage Krieg-Frieden heute lassen sich eigentlich, behält man den Leistungsprozess dabei im Auge,   ziemlich genaue tendenzielle Aussagen machen. Die uns eigentlich auch sehr optimistisch für die Zukunft machen sollten...

------------------------

Es ist Tatsache, dass demokratische Staaten ( die des Westens) noch nie gegeneinander Krieg geführt haben. Und das hat seine "Ursachen". 

In der Agrargesellschaft war der Boden die Quelle des (überwiegenden) Reichtums. Und Boden, vor allem fruchtbarer,  war/ist begrenzt. Die meisten Kriege drehten sich daher um die Zugewinnung von Land. Auch um die Unterwerfung von Menschen, die man als billige (unqualifizierte) Arbeitskräfte (z.B.Sklaven) in der Feldarbeit, im Bergbau oder in den Palästen verwenden konnte, wurde gekämpft... oder  Tributzahlungen... Dies machte  von der Logik der Bedürfnisbefriedigung her betrachtet Sinn, ließen sich so  oft genug qualitativ-quantitativ besser Bedürfnisse befriedigen als mit eigener landwirtschaftlicher oder handwerklicher Tätigkeit.( siehe auch Auszug aus Aristoteles: "Der Staat der Athener" )

 

Auch herrschte - sicher auch infolge allgemeiner kriegerischer Verfasstheit der Gesellschaft- ein heroisch-martialisches Männerbild vor (zumindest in den oberen Schichten), das den Krieg als männlichen Tummelplatz, als Befriedigung von Geltungsbedürfnissen betrachtete.

 

Und dort wo viele Angreifer... da auch oft genug viele Verteidiger...Und oft genug verliefen die Grenzen zwischen Angreifern und Verteidigern fließend.. Gewalt und Krieg in der Agrargesellschaft war, so könnte man mit wenig Übertreibung feststellen, ein Dauerzustand...    

-------------------------------------------------

Heute dagegen ist die Quelle des meisten Reichtums nicht der Boden, sondern die Leistungs-Erbringung(im Ganzen) . Spezialisiert-diensteleistende Tätigkeiten und deren Ergebnisse ( Leistungen) , deren Niveau, und natürlich Wissen und Infrastruktur,  sind die Hauptgrundlage für den Reichtum einer Gesellschaft .( Was natürlich auch Boden/Bodenschätze einschließt- jedoch nicht mehr in dieser alles überragenden Bedeutung wie in der Agrargesellschaft.)

Kann man sich diese (Leistungserbringung; Leistungen) per Kriege aneignen? Würde sich dies lohnen ?

Hätte es für Deutschland Sinn, Frankreich zu überfallen, und beispielsweise die Renault-Werke zu okkupieren, die Belegschaft zu versklaven oder zu Zwangsarbeit oder zu Tributzahlungen zu verpflichten ....? Wie lange  würde dann dort auf hohem Niveau noch produziert werden ?  

Der Leistungserbringungsprozess ( auf höherem Niveau ) ist ein sensibles Ding. Tausende Räder greifen ineinander, die Leistungen werden immer komplexer. Schon ein Becher Joghurt benötigt die Zusammenarbeit von Dutzenden Leistungserbringern: Milchbauern, Viehfutterhersteller, Molkereimaschinenhersteller, Molkerei, Verpackungsmittelhersteller und deren Maschinenbauer, Drucktechnik ( für die bunte Verpackung) , Kraftfahrer, Handel/Discounter, Kühlmaschinenhersteller, Qualitäts-Überwacher  etc.....Ja im Grunde genommen trifft sich heute bereits in einer vergleichsweise geringkomplexen Leistung die halbe Leistungs- Erbringungs- Welt.  

Wie dann erst im hochkomplexen Automobilbau ? ! 

 Mit Gewalt kann man diese Art des Wirtschaftens, den heutigen hocharbeitsteiligen Leistungs- Erbringungs- Prozess , nicht dauerhaft oder ergiebig ausbeuten.Man kann ihn lediglich durch Krieg zerstören...

Sklavenaufseher in der Agrargesellschaft ( oder auf den Baumwollplantagen der südlichen USA)konnten sicher "hohe" Einsatzbereitschaft aus ihren Opfern herausknüppeln . Heutztage funktioniert dies in den modernen Arbeitswelten so nicht mehr.

 

Ja, Krieg(zwischen hochentwickelten Staaten) ist sogar völlig kontraproduktiv. Nach einem berühmten britischen Ökonom ( David Ricardo) ist nicht nur Handel zwischen Staaten auf  g l e i c h e m   Niveau für beide vorteilhaft- nein, auch bei unterschiedlichem Produktionsniveau sind beidseitige Vorteile möglich. Warum dann Krieg, wenn  Frieden ertragreicher sein kann und ist ?   

Wieviel Dinge des industriellen oder täglichen Bedarfs stammen mittlerweile aus fremden Ländern ? In wieviel Staaten exportiert ein durchschnittlich entwickeltes Industrieland heut ? 

Die Wirtschaft, der Konsum, der Leistungsprozess und möglicherweise die Politik( in der vernetzten,globalisierten Welt) würden im Falle von Kriegen ganz schnell zusammenbrechen... eine Horrorvision für jeden halbwegs Gebildeten in der Demokratie.

--------------------------------- 

In der Agrargesellschaft brachen fast immer die Eliten, der Gewalttätige Sektor den Krieg vom Zaum... die Herrscher, der Adel,etc....  Die heutigen Eliten, hauptsächlich Politik und Unternehmerschaft, können kein Interesse an der Heraufbeschwörung von Krieg haben: die Unternehmerschaft aus o.g. Gründen nicht, die Politik ist weitgehend demokratisch kontrolliert.... 

----------------------------------

----------------------------------

Wie erklärt sich dann  aber 1. und 2. Weltkrieg, der von einem Land (Deutschland) ausging, welches  den Großen Sprung in die Leistungsgesellschaft schon seit einigen Jahren vollzogen hatte, sich zu einem für damalige Verhältnisse hochmodernen, hochindustrialisierten Land wandelte, voll im Leistungsprozess stand und dennoch in übelster Manier zwei Raubkriege vom Zaum brach?  

Es gibt im Grunde genommen nur  e i n e  (systemische) Hauptantwort: Denkweisen und Wertesysteme werden in tradierter Form weitergegeben und überleben oftmals über Generationen.  Das kaiserliche und dem Führerprinzip zu Füßen liegende Deutschland war noch stark im Gewaltdenken der Agrargesellschaft verfangen. (Der Sprung in die Moderne gelang Deutschland relativ spät)  Kriegerischer Raub und Ruhm galten  als positiv, waren Haupttugenden - kein Wunder in einem stark militaristisch- preußisch geprägten Deutschland , zentralstaatlich vereint und gegründet   in Versailles,  im Herzen des 1871 bezwungenen Feindes Frankreich .

 

Und der 2. Weltkrieg hatte ähnliche Ursachen-  eine offizielle nationalsozialistische Parole lautete: "Lebensraum im Osten" . Krieg galt vielen Deutschen - die Agrargesellschaft war ideell noch nicht ganz überwunden- als vorteilhaft.    Natürlich war die Situation außer systemisch  auch hochgradig spezifisch: mit der Person Adolf Hitlers  agierte ein Politiker gegen den (sich allmählich internationalisierenden ) "Zeitgeist"  .... Mit dem   Auftreten  derartig pathologischer, aber eben auch sehr populistisch-starker-intelligenter Persönlichkeiten muss man in der Geschichte stets rechnen ...


Hochgradig tragisch das Schicksal der Juden: in einer eigentlich sich internationalisierenden Zeit, in welcher sich  Menschenrechte zunehmend durchsetzten( beispielsweise auch das Wahlrecht der Frau) , verstärkt sich in Deutschland eine rassistisch- chauvinistische Gegenbewegung, der letztlich Millionen Juden zum Opfer fallen. Auch hier liegt die Ursache in einerseits agrarisch überlebten Räuber- und Vernichtungs-  Denkweisen, andererseits in der spezifischen deutschen Situation mit der starken pathologischen Persönlichkeit an der Spitze der Politik ( Der Aufstieg des Nationalsozialismus erfolgt außerdem infolge verletzter Eitelkeiten aufgrund des Versailler Friedensvertrages, dem Einsetzen einer gigantischen Weltwirtschaftskrise und dem Versagen der noch sehr jungen, gering gefestigten Demokratie--- spezifische, keine systemischen Gründe ) .  

Das   Erstarken der  Nationalsozialisten, der Holocaust und der 2. Weltkrieg sind zum Teil ein (deutschlandspezifischer)Ausrutscher, zum Teil aber auch systemisch bestimmt ( tradiertes Denken aus der Agrargesellschaft)  . Heute wäre ein solcher (systemischer) Vorgang  nicht mehr denkbar - die modernen Gesellschaften haben sich im Denken aufgrund der Vertiefung des Leistungsprozesses komplett liberalisiert . Und sind tendendiell friedliebend. Krieg erscheint auch dem letzten Nationalisten als nicht mehr lohnenswert. Desweiteren lassen die modernen Medien wie Internet und Smartphone derartige massenhaft- grauenvolle Verbrechen wie in Auschwitz sicher nicht mehr zu -- Bilder würden in Sekundenschnelle um die Welt gehen und die Weltöffentlichkeit alarmieren... Potentielle Kriegstreiber müssten sich mit der Öffentlichkeit auseinandersetzen....

 

 

------------------------------------------------------

 Die "Kriege" des Westens, insbesondere der USA, in Vietnam,Afghanistan oder im Irak, fallen aus dem systemischen Schema ( Krieg als Gewaltanwendung zum Zwecke des "Raubes" ) heraus. Die USA, schon lange ein Staat in voller Blüte des Leistungsprozesses, "verhedderten" sich aus weltpolitischer Geltungssucht und Prestige sowie "freiheitlichem" Sendungsbewusstsein in diesen Abenteuern. Der "Krieg gegen den Terror" ist weniger ein "Krieg" denn eine gesamtstaatliche Polizeiaktion. Es mögen postkolonialische Hintergedanken ( Öl/Rohstoffe) in Teilen der US-amerikanischen Elite bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt haben...die "Kriege" gegen Vietnam, Irak und Afghanistan waren/sind aber keine klassischen, agrargesellschaftlichen, räuberischen ....        Sie waren/sind einfach nur politisch dumm und zeugen von einer Unfähigkeit der US-amerikanischen Politik, v e r n ü n f t i g   Einfluss und Vorbildwirkung auszuüben.

 

Es ist (systemisch)  nicht zu erwarten, dass sich künftig  ähnliche "Kriegs- Aktionen" , schon gar nicht mit globaler Auswirkung,  wiederholen werden. Individuelle Politikfehler aber(beispielsweise die eines allmächtigen und/oder populistischen Präsidenten)  sind stets denkbar. 

---------------

Der Einsatz der Alliierten in Libyen 2011, gedeckt von einem UNO-Mandat, oder auch der zur Befreiung des Kuweit von der irakischen Invasion 1990, ist eher als gesamtinternationale Polizei- /Befreiungsaktion zu werten zum Zwecke der Befreiung dieser Völker vom  Joch wildgewordener Diktatoren. Dies sind zwar klassische Kriege  der M i t t e l   nach, nicht aber hinsichtlich ihres Wesens . Diese Art Einsätze werden wohl leider noch öfter stattfinden....

 

------

Kriege in der 3. Welt, also Teilen Asiens, Teilen der islamischen Welt und insbesondere Afrika, werden auch in den nächsten Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbrechen. Die Gründe hierfür sind relativ einfach darzulegen: 

Diese Länder und ihre Bevölkerungen sind in ihrer sozioökonomischen Entwicklung, der Reife des Leistungsprozessen, noch nicht sonderlich fortgeschritten. Sie sind noch stark in agrargesellschaftlichen Strukturen (hoher bäuerlicher,ländlicher Anteil bzw. Stadtbevölkerung in 1. Generation)  verhaftet, sind stark patriarchisch geprägt, der Bildungsstand ist gering, autoritäres Denken weit verbreitet ( die Sehnsucht nach einem starken Mann) -  ein bürgerlicher Mittelstand ist zahlenmäßig gering, absolute Armut ist massenhaft an der Tagesordung. Besonders das tradierte Denken, Fühlen, Verhalten dürfte noch lange dafür verantwortlich sein,dass man versuchen wird, Konflikte  kriegerisch zu lösen.

Kurz, auch auf die Gefahr hin politisch unkorrekt zu formulieren, muss konstatiert werden , dass diese Staaten/Bevölkerungen "unreif" hinsichtlich jener typischen Verhaltensweisen sind, die die Politik und das Bewusstsein in entwickelten Leistungs- Prozess-Ländern bestimmt.    

 Insbesondere Afghanistan bietet ein trauriges Beispiel für o.g. These: Hochgradig agrarisch und rückständig  geprägt,  religlös stark verhaftet, Denken in Stammeskategorien, geringe Bildung, extrem ausgeprägtes Patriarchat, kaum bürgerliche Schichten bzw. bürgerliches Leben... die sozioökonomische Reife, das Niveau des Leistungsprozesses ist nur sehr gering ausgeprägt. Eine Situation, die vergleichbar ist der mitteleuropäischen vor dem 30jährigen Krieg ( 16./17.Jh.) ----  Hier mit Gewalt von außen das Heil, d.h. Demokratisierung und Menschenrechte, zu bringen, ist vermessen, wenn nicht gar dumm. Die Deutschen im 17.Jh hätten mit Demokratisierung und Menschenrechten auch nicht viel anfangen können. Sie brauchten eine starke, ordnende Hand, die sie in Gestalt der absolutistischen Fürsten auch bekamen. Und die die Grundlage für bürgerliche Entwicklungen schufen. Afghanistan kann nicht in wenigen Jahren 400 Jahre Entwicklung aufholen... Afghanistan benötigt den Aufbau eines komplexen Leistungsprozesses und  (qualitativ dosiert)ganz viel moderne kulturelle Einflüsse (Radio, TV, Internet) , die aber die stark traditionell geprägten Menschen nicht überfordern darf. Und sehr wahrscheinlich ist eine autoritäre Herrschaft  dort sinnvoller denn eine  parlamentarische....

        

 ///////////////////////////////////////////////////////////////////////////

////////////////////////////////////////////////////////////////////////////

Fortsetzung unter : 

 http://gesch.phil-2.myblog.de/

 

 

 

24.1.14 14:43

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen