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Der große Sprung in die Moderne

Die Gelehrten streiten sich noch: wann kam der homo sapiens, also der Neumensch,in der Geschichte ins Spiel: Wahrscheinlich  so vor ca. 150 000 Jahren...

Die Agrargesellschaft begann sich vor ca. 10 000 Jahren allmählich aus der Vorzeit "herauszuschälen". Und der Große Sprung ( oder auch die Industrielle Revolution, Industrialisierung benannt) begann (ungefähr)  Ende des 18.Jahrhunderts.

Und seit diesem "Sprung" ist nichts mehr wie es wahr, hat sich die Erde völlig unter der Hand bzw. unter dem Diktat der Menschen gewandelt. Gemessen an den 150 000 Jahren zuvor aber sind die knapp 250 Jahre "Moderne"  nur ein Wimpernschlag ( 0,17 %  Zeitanteil im Rahmen der menschlichen -homo sapiens - Existenz ). 

Ein Mensch der Anfang des 18. Jahrhundert lebte, hatte  mit dem Menschen neuntausend Jahre zuvor  mehr gemein als mit dem Homo sapiens des 21.  Jahrhunderts: durchschnittlich geringe Lebenserwartung, hoher Grad Eigenversorgung, manuelle Landarbeit, geringe Bildung... Seit 250 Jahren nun aber entfernt sich der Mensch im Zeitraffertempo von der Agrargesellschaft ...und mutierte auf der Erde zum alles beherrschenden Riesen.

 

Wie kam es, dass innerhalb einer historisch äußerst kurzen Zeitspanne  im Menschenreich mehr passierte, sich mehr veränderte,  als die 150 000 Jahre zuvor?  

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Wir müssen wieder bei der Mittel-/Unmittelbarkeit der Bedürfnisbefriedigungs- Struktur beginnen:

Jäger und Sammler befriedigten ihre Bedürfnisse unmittelbar. Der eigenversorgende Agrarmensch dagegen  mittelbar, der spezialisiert- diensteleistende "Erwerbsarbeiter" ebenfalls mittelbar. 

Allerdings ist die Mittelbarkeit des Spezialisiert- Diensteleistenden wiederum stärker ausgeprägt als die des Eigenversorgers, weil zur (speziellen) Tätigkeit an sich die Aktivität des Eintauschens oder Verkaufens hinzukommt. Der Spezialisiert- Diensteleistende braucht einen "Instinkt" hinsichtlich dessen, was auf dem "Markt" benötigt wird und wie er auf dem Markt optimal agieren kann (d.h. wie er seine Leistungen bei effizienter Leistungserbringung  maximal veräußern kann ). In der Regel waren die "Erwerbsarbeiter" aufgrund ihrer spezialisierten Arbeitsweise hinsichtlich der Qualität und Quantität ihrer Leistungen den Eigenversorgern überlegen. was u.a. auch im Reichtum der Städte zum Ausdruck kam/kommt.

 

Künstliche Tätigkeitsverstärker

Zu dieser Überlegenheit hinsichtlich der Mittelbarkeit und des Ausstoßes ihrer Leistungen  gesellte sich ab Ende des 18.Jh etwas, was nachfolgend als "künstlicher Tätigkeitsverstärker" bezeichnet wird. Und in dessen Folge dieser Sektor nicht nur alle anderen Sektoren bei Weitem überholte, sondern diese sogar assimilierte und letztlich fast auslöschte . Die spezialisiert-diensteleistende Arbeitsweise avancierte zur vorherrschenden in der Menschenwelt. Es handelte sich um das, was in den Geschichtsbüchern heute als "Industrielle Revolution" oder "Industrialisierung" bezeichnet wird und noch lange nicht zum Abschluss gekommen ist.

 

 Der Kern künstlicher Tätigkeitsverstärker ist "künstliche " Energie, sind "künstliche" Energiequellen, Kohle, Öl, Elektrizität etc....   Zwar nutzten die Menschen vor dem Großen Sprung auch bereits Wind, Wasser, Feuer, Schießpulver etc.  im Bedürfnisbefriedigungsprozess , doch konnte man diese Energiequellen nur sehr begrenzt einsetzen. Diese waren lediglich an einem bestimmten Ort und nur in einem gewissen Maße verfügbar.  Hauptsächlich wurde mit menschlicher Muskelkraft und der Kraft von Tieren (Ochsen, Pferde ) gearbeitet. Die"künstlichen" Energiequellen aber sind nicht nur "gehaltvoller", sie lassen sich auch "ortsflexibel" einsetzen - insbesondere ab Ende des 19.Jh die Elektrizität (auch Gasleitungen) . Und vor allem die Kohle, die spätestens zu Beginn des 19.Jh zum wichtigsten Energieträger aufstieg, konnte - dank ihrer Verbrennung in der Dampfmaschine- überallhin verfrachtet werden.


Parallel boomte in (England) der Maschinenbau (Textil, Dampfmaschinen) .

Beide aneinander gekoppelte Prozesse ( neue Energieträger und Maschinen ) sind das, was ich fortfolgend  "künstliche" Tätigkeitsverstärker" nennen werde.     

Dass sich diese "künstlichen Tätigkeitsverstärker" fast ausschließlich  im Bereich der Spezialisiert- Tätigen , also des Bürgertums,  durchsetzen konnte hat seinen Grund in der Spezifik dieser Bedürfnisbefriedigungs- Organisationsstruktur: Spezialisiertes Tun ist immer wenigdimensional, recht einförmig und mit wenigen Tätigeitsschritten ausführbar. Auch wenn sich gerade in diesem Sektor sehr hohe Meisterschaft ausformen konnte, ändert das nichts an der Tatsache des "Wenigdimensionalen " . Im Unterschied dazu arbeitet der Eigenversorger (man denke auch an Robinson) höchst komplex, muss die unterschiedlichsten Tätigkeiten ausführen (Feldbau, Hausbau, Tierzucht, etc.... ) . 

Und "künstliche Tätigkeitsverstärker", wie etwa Dampfmaschine , Eisenbahn, mechanische Webstühle , die  zwischen 1750 und 1850 die westliche Gesellschaft in vielerlei Hinsicht revolutionierten, "dockten" an diese  Spezialisierung an. Die Dampfmaschine ersetzte Naturkräfte (Wind,Wasser und Muskelkraft), die mechanischen Webstühle ersetzten die Arbeitskraft, also Quantität und Präzision  v i e l e r  Weberinnen   und die Eisenbahn führte  das bisherige Pferde- Verkehrswesen in  bisher ungeahnte Dimensionen. 


 

Künstliche Tätigkeitsverstärker unterstützen also (fast)ausschließlich den spezialisiert- diensteleistenden Sektor, machte ihn reich. Er erweiterte die Mittelbarkeit des spezialisiert- diensteleistenden

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 Der Begleitende Bereich:

Zum Begleitendenen Bereich gehören all jene Menschen mit ihren Tätigkeiten, die nicht unmittelbar zum Bereich der  Künstlichen Tätigkeitsverstärkung gehören, aber dazu beitragen, diesen flankierend zu entwickeln bzw. zu gestalten. Sie arbeiten ebenfalls spezialisiert- diensteleistend, werden oftmals über den Staat, aber oft auch von privaten Organisationen und Firmen "bezahlt" . Gemeint sind hierbei Menschen und Prozesse, die  sich mit Wissen und Wissenschaft, Technikentwicklung und Grundlagenforschung, Organisation und Gesetzgebung, aber auch Ökonomie beschäftigen und den Künstlichen Tätigkeitsverstärkungsbereich im weitesten Sinne fördern . 

 

 

 Die Vorläufer des Begleitenden Bereichs reichen weit in die Agrargesellschaft zurück. Die Schriftgelehrten - innerhalb der Kirchen oder der Herrschaftshäuser- gehörten ebenfalls dazu wie alle diejenigen, die Wissen weitergaben, konservierten und weiterentwickelten. Und Rahmenbedingungen schufen...

Hauptsächlich ist hierbei Wissen jenseits des spirituellen/religiösen Sektors gemeint...  Wissen über Dinge,  Ereignisse, Wetter, Pflanzen- und Tierwissen , Handwerksechniken und Traditionen. 

Und wichtigster Träger des Wissens ist seit ca. 6000 Jahren die Schrift, das beschriebene/bedruckte Papier. Das Menschenleben, das Menschengedächtnis ist kurz und endlich-  Schriften können Jahrtausende überdauern . 

Mitte des 15.Jh entwickelte  Johannes Gutenberg einen Mechanismus, den wir  als Buchdruck bezeichnen. Die bisherige Praxis, mühseliges Schreiben per Hand  ( Papyrus, Pergament) mittels Schrifttexten zu vervielfältigen, wurde weiterentwickelt zu einem wesentlich schnelleren Verfahrens, eben dem Buchdruck - eine wahre Revolution bei Wissensverbreitung ,- vervielfältigung und- speicherung.  

Ein Großer Sprung in die Moderne wäre ohne diese Neuerung nicht denkbar. Friedrich Engels, ein Freund und Förderer von Karl Marx und anerkannter Historiker seiner Zeit, konstantierte, dass mit der Erfindung des Buchdrucks das Mittelalter endete und die Neuzeit begann.  

 


 In Folge der (in historisch kurzen Zeit) rasanten Entwicklung der Künstlichen Tätigkeitsverstärker nahm der Reichtum ( und letztlich auch die Macht) des spezialisiert- diensteleistenden Sektors dramatisch zu: Noch einhundert Jahre zuvor standen die vom Gewalttätigen Sektor beherrschten Staatsgebilde Europas im Absolutismus in einer selten gekannten Blüte. Knapp zweihundert Jahre später hatten sie (fast) jeglichen Einfluss verloren.

Der Kapitalismus, die Marktwirtschaft oder eben die Spezialisiert- diensteleistende Arbeitsweise hatte den Planeten fast vollständig erobert...

Und selbst die Eigenversorger der Landwirtschaft spezialisierten sich zunehmend und verkauften den überwiegenden Großteil ihrer  immer ertragreicheren Leistungen auf dem Markt- wandelten sich zu Spezialisiert-Diensteleistenden, die mittels Geldwirtschaft immer mehr von diesem Sektor angesogen wurden.

Die alten Adelsgeschlechter verschwanden im Operetten- Orkus der Geschichte, der eigenversorgende Bauer wandelte  sich zu einem Unternehmer . Und der religiös- spirituelle Sektor ( außer in Teilen der islamische Welt )  wurde säkularisiert, nahm gewaltig an Bedeutung ab und wandelte sich von einem (teils) parasitären zu einem nur noch diensteleistenden- spezialisierten Sektor. 

 

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15.1.14 15:42

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