Letztes Feedback

Meta





 

Geschichtsphilosophisches .... Geschichtsdeutung ! Versuchen wir`s

(Marlene in Dankbarkeit- ohne Dich hätt ich möglicherweise nie begonnen dies niederzuschreiben...  )

------------------------------------------------------------------------------------  

 

Sie regt zum Schmunzeln an  diese Grafik im Titelbild: eine Niedergangs- Kurve...eine satirische Darstellung...

Die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft aber gleicht (zumindest bisher), entgegen manchem Kulturpessimisten ,einer a u f s t e i g e n d e n   Kurve. Fast möchte man meinen ausrechenbar.


Es steckt eine gewisse Logik in dieser Entwicklung, deren grundlegenden Kräfte und Richtungen aufdeckbar sind. Und - so mein Anspruch- in einem gewissen ( beschränkten) Sinne ein Stück weit vorhersagbar sein könnten/sind. 

So wie eine ballistische Flugbahn nach bestimmten physikalischen Gesetzen verläuft und damit vorhersagbar wird,    könnte doch auch die Entwicklung menschlicher Gesellschaften bzw. d e r  menschlichen Gesellschaft - wenn man denn die bisherige "Flugbahn" richtig interpretiert und (schemenhaft) "ausrechnet"-  vorhersagbar sein.

Dies, und nur dies ist m.E. der Sinn von Geschichtsphilosophie: das Deuten des Bisherigen um Künftiges zu erahnen... 

---------------------------------

Viele Vorhersagen sind ja Binsenweisheiten: Dass die Menschen in den nächsten Jahrzehnten auf der Erde zahlreicher werden...dass der Wohlstand aufgrund weiteren Wirtschaftswachstums weiter ansteigen wird...dass das Klima sich weiter aufheizt...dass wir uns von einer Industrie- in eine Dienstleistungsgesellschaft wandeln... u.s.w.u.s.f....

Im Grunde genommen sind dies aber Auswirkungen der Entwicklung. Die Ursachen - und die Ursachenstrukturen  - sind versteckter. 

----------------------------------

Dies ist kein Text, der  Jahreszahlen oder bestimmte Ereignisse   thematisiert. Meine Methode ist eher die des "Eindampfens" von 100 000 Jahren Menschheitsgeschichte auf wesentliche Grundstrukturen . Zahlreiche   Geschichtsbücher und -sichten sind verfasst worden. Meines Erachtens aber sind insbesondere die bekannten Geschichtssichten und  -deutungen unbefriedigend als Erklärmuster. Vielleicht kann ich mit diesem Blog, dieser digitalen Papyrus-Rolle,  einen  Beitrag, einen Anstoß zu einer klareren Sicht leisten. 

---------------------------------

---------------------------------

Zwei geschichtsphilosophische Theorien haben weltweit große Wirkungsmacht entfacht: Die materialistische Betrachtung des Geschichtsverlaufes von Karl Marx ( 1818-1883) und die Theorie des Übergangs  menschlicher Geschichte von einer Geschlossenen in eine Offene Gesellschaft nach Karl Popper (1902-1994).

 

1. Karl Marx

 

Marx war in seinem großen,umfangreichen Werk der Ansicht, dass der Mensch und insbesondere die Gesellschaft ein Ergebnis der Auseinandersetzung in der Arbeitswelt sei. "Das Sein bestimmt das Bewusstsein". Im Kampf um die Verteilung bzw. Aneignung der Früchte der Arbeit bzw. deren Ressourcen entstehen Ausbeutungsgesellschaften... so die Sklavenhaltergesellschaft(Antike), der Feudalismus und der Kapitalismus. Geschichte ist nach Marx eine Geschichte der "Klassenkämpfe" . Diese Kämpfe sowie die Entwicklung der "Produktivkräfte", also der Arbeitstechniken und des Wissens , treiben die Geschichte voran: vom Niederen zum Höheren. Und sie bestimmen als "Basis" den gesellschaftlichen "Überbau" - also den Macht- bzw. Staatsapparat, aber auch die Moral, die Religion oder die Kultur.  Diese "Basis", das "Sein" eben, bestimmt das "Bewustsein".   

 Vereinfacht würde Marx wohl  sagen: die Art und Weise bzw. das Niveau auf dem die Menschen arbeiten bestimmt deren Denken, Kultur , Religion, Beziehungen der Menschen untereinander etc....

Soviel vornweg: diesen "materialistischen" Ansatz halte ich grundsätzlich für richtig!

Geirrt hat sich Marx sicher in der Analyse der Geschichte als einer dauerhaften Klassenkampf- Auseinandersetzung. Dieser Teil seiner Theorien hatte derartig gewaltige Folgen, dass sich eine kommunistische Weltbewegung auf der Basis der Marxschen Ideen herausbildete, die der "Weltrevolution" und einer "klassenlosen" Gesellschaft hinterher jagte. Und die viel weltpolitischen Schaden und gewaltige Verirrungen anrichtete und für  Millionen von Todesopfern, beispielsweise in den Stalinschen Gulags oder den chinesischen Säuberungaktionen, verantwortlich war.   

------------------------------------------------------------

------------------------------------------------------------

 2. Karl Popper

 

 "Geschlossene" Gesellschaften streben ein fest zementiertes Ziel, eine Ideologie, einen "Heilsstaat" und/oder eine bestimmte Herrschaft an. Und steuern kompromisslos (meist mit Gewalt von Minderheiten über Mehrheiten) auf dieses vermeintliche Ziel.  Im Grunde genommen kann man alle vorindustriellen Gesellschaften (mit sehr wenigen Ausnahmen) zu diesen Geschlossenen Gesellschaften zählen. 

Popper beschreibt und propagiert  als Gegenstück  das Modell einer Offenen und pluralistischen Gesellschaft, in der sich Fortschritt langsam einstellt.(nach Wikipedia) In diese wachsen die westlichen Gesellschaften seit dem 19.Jh hinein.

Vielleicht etwas stark vereinfacht, aber den Kern der Sache treffend: Minderheiten ,Diktatoren, Absolutisten herrschen in Geschlossenen Gesellschaften und unterdrücken freie Entwicklung.... Allmählich aber entwickeln sich demokratisch verfasste, freie, auf dem allgemeinen Diskurs basierende "Offene" Gesellschaften .   Letztlich ist dies auch ( ähnlich wie bei Marx)  eine Entwicklung vom "Niederen" zum "Höheren" .

 ----------------------------

Wenn man anerkennt, dass sich die menschliche Gesellschaft in einem Jahrtausende anhaltenden Prozess vom Niederen zum Höheren entwickeln, ist das Aufdecken von Mechanismen und Ursachen dieser "Höherentwicklung" die entscheidende Frage der Geschichtsphilosophie!

( Und ich setze dabei an, die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse( grob umrissen)  zu analysieren)

 /////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////////

 

25.6.13 23:46, kommentieren

Werbung


Bedürfnisbefriedigungs-Tätigkeit , Arbeit , Erwerbsarbeit - 3 verschiedene Wege...

Der Beginn allen Tuns sind unsere Bedürfnisse. Ohne das Verspüren eines Bedürfnisses würden wir nichts tun- ja, letzlich nicht leben. Nur Nichtlebendiges verspürt keine Bedürfnisse - Leben ist permanentes Befriedigen von Bedürfnissen: Atmen, Essen, Schlafen, Fortpflanzen etc....   Unser gesamtes menschliches Dasein ist folglich auf die Befriedigung von Bedürfnissen gerichtet.

Interessantes entdeckt man, wenn man versucht, Bedürfnisse zu systematisieren. Einem breiteren Kreis ist die pyramidenartige Anordnung von Bedürfnissen durch den US-amerikanischen Psychologen A.Maslow bekannt. Nach seiner Theorie existieren(bewegen uns) zuerst die Basisbedürfnisse (Essen,Trinken, Wohnen etc.). Sind diese befriedigt sucht der Mensch diese zu sichern (Sicherheitsbedürfnisse ). Nach deren Realisierung folgen soziale Bedürfnisse, Individualbedürfnisse, Prestigebedürfnisse... und letztlich - sind die elementareren Bedürfnisse weitgehend befriedigt- folgt das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung.

   

 -----------------------------------------

Die nachfolgende Sichtweise ist eine andere, nicht vergleichbare - eine, die sich ( allerdings sehr abstrakt) an einer geschichtshistorischen  Umsetzung von Bedürfnisbefriedigung orientiert . Und diese abstrakte Sicht spiegelt erstaunlicherweise den historischen Werdegang des Menschen im hohen Maße wider.

-----------------------------------------

Die verschiedenen Steinzeitmenschen- Arten lebten hunderttausende Jahre vom Jagen und Sammeln. Ihre Bedürfnisse waren nicht so ausgefeilt und differenziert wie die in der Maslowschen Bedürfnispyramide dargestellt. Im Wesentlichen ging es ums Essen/Trinken, bequemes Ruhen einsch. Schutz vor Wetterunbilden und wilden Tieren,Kinderaufziehn... also fast ausschließlich dingliche Bedürfnisse, die materiell zu befriedigen waren. Wir wissen zwar auch von weiteren Bedürfnissen, so spiritueller Art ( z.B. Geisterbeschwörungen) oder Hierarchiebedüfnissen, also dem Streben nach Anerkennung oder Partner-"Eroberungen", die wir an dieser Stelle aber nicht weiter beachten werden. 

Hauptsächlich die dinglichen Bedürfnisse sollen an dieser Stelle interessieren, weil sie nämlich - im Unterschied zu heute- sehr unmittelbar befriedigt wurden: Die Steinzeitmenschen betrieben keine vorausschauende,planende Nahrungsmittelwirtschaft. Sie suchten sich fruchtbare Gegenden zum Existieren/Leben aus und sammelten oder jagten lediglich, wenn sie hungrig waren. Mehr zu sammeln oder zu jagen als sie verzehren konnten machte keinen Sinn, da sie  "Lebensmittel"/Nahrungsmittel im Wesentlichen eh nicht speichern konnten. 

Ergo: Die Steinzeitmenschen verspürten das Bedürfnis(Hunger/Durst) , oder wussten zumindest, dass sie in wenigen Tagen oder Stunden Hunger/Durst verspüren würden, wenn sie nicht zum Jagen und Sammeln aufbrachen.  Und begaben sich u n m i t t e l b a r im Verhältnis zu diesem Bedürfnis auf Nahrungssuche.

 ( Interessant dabei festzustellen ist der Umstand, dass Tiere fast ausschließlich auf derartige u n m i t t e l b a r e Art und Weise  ihr Dasein fristen. Außer bei Hamster,Bienen  oder wenigen anderen Arten beginnt die Nahrungsmittelsuche erst, wenn das Bedürfnis, also der Hunger ( bzw. Hunger in Kürze) eintritt.  Womit diese Ähnlichkeit bei der zeitlichen Bedürfnisbefriedigung  zwischen frühen Menschen und Tieren ein  weiteres  Indiz dafür ist, dass die Menschen aus dem Tierreich abstammen.)

 

Kann man diese Art der unmittelbaren Bedürfnisbefriedigung "Arbeit" nennen?

Dazu muss man sich die nächste Stufe in der Menschheitsentwicklung anschauen, nämlich die Zeit der Agrargesellschaft, und wie dort die wesentlichsten Bedürfnisse befriedigt wurde.  

 Vor ca. 10 000 Jahren begannen erste Menschen östlich des Mittelmeeres, -statt auf der Nahrungssuche umherzuziehen- Felder anzulegen und Nutztiere zu halten. Ein großer Zivilisationsschritt des Menschen, in deren Folge sich  das Potential der Menschheit in vielerlei Hinsicht zu erweitern begann.

 Diese Gesellschaften waren- besonders später, zu Zeiten größerer Reiche- schon relativ komplex - außer Landwirtschaft spielten Handwerk und Handel, Religion sowie das Kriegertum eine große Rolle.  Doch deren Kern bestand aus der Landwirtschaft und hier wiederum aus einer weitgehend eigenversorgenden  Wirtschaft (Subsistenzwirtschaft). Was heißt, dass ein Großteil des selbst Angebauten auch selbst konsumiert wurde.Dies ist auch logisch, war die Landwirtschaft bis tief ins 18./19. Jahrhundert hinein nicht annähernd so ertragreich wie heute. Der Bauer war froh, wenn er sich und seine Angehörigen ernähren konnte- Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse für die Stadtbewohner konnten oftmals nur über Steuern, Abgaben oder Gewalt abgepresst werden . Meist betrug der Anteil der Landbewohner weit über zwei Drittel der Gesamtbevölkerung.

Denken wir heute an diese längst vergangenen Zeiten , denken wir  an große Metropolen wie  beispielsweise Babylon,Alexandria oder Rom (etc.). In diesen Städten aber wohnte nur eine Minderheit. Die überwältigende Mehrheit lebte ländlich und bestellte den Boden - die wichtigste Quelle für den Reichtum jener Zeit.

 Man muss also nun die landwirtschaftliche Tätigkeit hinsichtlich ihrer Qualitäts(bzw. Struktur)stufe mit der Tätigigkeit der Jäger- und Sammler- Kulturen vergleichen. Und stellt fest: Erstere ist eine Mittelbare, Zweitere eine Unmittelbare hinsichtlich der Bedürfnisbefriedigung.

Die Unmittelbarkeit der Bedürfnisbefriedigung in der Jäger- und Sammler-Gesellschaft wurde bereits beschrieben. Sie ähnelt noch sehr der tierischen Art und Weise...

Das Wesen landwirtschaftlicher Tätigkeit im Vergleich zur steinzeitlichen aber ist eine deutliche Zunahme an Mittelbarkeit. Zeitlich, dinglich, intellektuell ! Zeitlich, weil zwischen Aussaat oder Aufzucht der Tiere und der Bedürfnisbefriedigung, also dem (finalen) Essen, relativ viel Zeit vergeht. Dinglich, weil viele Werkzeuge und Hilfsmittel, wesentlich mehr als bei Jägern und Sammlern, Verwendung finden. Nicht nur Bodenbearbeitungsgeräte und Zugtiere, auch  Bauten für Menschen, Vieh und Ernte zählen beispielsweise dazu. Und auch intellektuell ist der agrargesellschaftliche Mensch dem Jäger/Sammler im hohen Maße überlegen, muss er doch über all jene landwirtschaftlichen Prozesse, die er  beherrschen will, Bescheid wissen.


Ja, die qualitativen Unterschiede im Wesen beider Gesellschaften hinsichtlich ihrer Befriedigung von Bedürfnissen ist so gewaltig, dass man keinesfalls beiden das gleiche Attribut der "Arbeit"  zubilligen kann... (Dass also in gleicher Weise  "gearbeitet" wird, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, die Bedürfnisse zu befriedigen.)

Nun mag ja jeder das Wort "Arbeit" anwenden, wie er den Begriff assoziiert.  (Von vielen Experten wurde und wird der Steinzeitgesellschaft "Arbeit"sgeschehen bescheinigt um den Unterschied zum Tier herauszuarbeiten.)

 Dies mag für die eine oder andere Tätigkeit auch scheinbar - und nach unserem allgemeinen Verständnis-  zutreffen: Anfertigen von Werkzeugen,Tiere jagen und zerlegen, Sammeln von Früchten...

Der strukturelle Unterschied zur "Arbeit" in der Agrargesellschaft ist jedoch deutlich auszumachen: das "Arbeiten", das scheinbar mehr oder weniger "planmäßige" Tun in der Steinzeitgesellschaft ist auf unmittelbare, schnelle Bedürfnisbefriedigung gerichtet. Folglich ist dort auch das Element der "Mühe" nicht vergleichbar ausgeprägt auszumachen wir in der Agrargesellschaft. Und "Mühe" brauch's , um von Arbeit zu sprechen. 

Wir werden  in den nächsten Abschnitten sehen, warum diese Trennung so bedeutsam ist.

Oben bereits angedeutet: Das bäuerliche Arbeiten in der Agrargesellschaft ist hauptsächlich eines zum Zwecke der Eigenversorgung gewesen. Ein überwiegender Großteil der Bevölkerung lebte auf dem Lande, betrieb Ackerbau, Gärtnerei und Viehzucht, verarbeitete  diese Arbeits-"Früchte"fast ausschließlich selbst zu Lebensmitteln,baute Unterkünfte in Eigenregie, stellte bescheidenes Mobiliar (Tisch,Schemel, Feuerstellen) selbst her - kurz, man kann und muss hierbei von Eigenversorgung sprechen.   Eine "Arbeitsteilung" war nur sehr gering ausgeprägt und wenn, dann fand sie hauptsächlich innerhalb der Famile, des Hofes, des Dorfes und den Geschlechtern statt.

Die Menschen dort  lebten nur in ganz beschränkten Austauschbeziehungen mit Handwerkern, Händlern und anderen Gewerbetreibenden. Überschüsse zum freien Verkauf gab es quasi nicht oder wenig-  Teile der  Arbeitserlöse wurden von der Obrigkeit und der Kirche abgepresst.    

---------------------------------------------

Wir haben bisher eine ausgeprägte geringe Mittelbarkeit (eigentlich eine Unmittelbarkeit)  bei der Bedürfnisbefriedigung der Jäger- und Sammlerkulturen festgestellt.

Dem folgte entwicklungshistorisch eine Menschheitspase der mittelbaren Bedürfnisbefriedigung ( Agrargesellschaft/Landwirtschaft/Eigenversorgung) .  Es sind zwischen beiden unzweifelhaft klare Unterschiede in der Mittelbarkeit der Bedürfnisbefriedigung,also letztlich der entscheidenden Struktur, festzustellen...............

Parallel zur Landwirtschaft in der Agrargesellschaft entwickelte sich eine Lebens- und Arbeitsweise, deren Mittelbarkeit noch stärker ausgeprägt ist...und seit ca. 200 Jahren (zumindest in der westlichen Welt) die alleinige Arbeits- und Lebensweise darstellt: die einer spezialisiert- diensteleistenden Arbeitsweise ... oder umgangssprachlich  auch mit dem Begriff  "Erwerbsarbeit" definiert wird.

In der Agrargesellschaft benennen wir diese Arbeitsweise als die der Händler und Handwerker, des bürgerlichen Standes oder  die der Stadtbevölkerung. Während der bäuerliche Sektor recht universell seine Bedürfnisse ( allerdings auf niedrigem Niveau) befriedigte, spezialisierte sich dieser "bürgerliche Stand" . Der Bauer konnte im Grunde genommen von den Resultaten seiner Arbeit leben ohne mit anderen Subjekten in Austauschbeziehungen zu treten. Der "bürgerliche Stand" jedoch konzentrierte,spezialisierte sich auf ein Tätigkeitsfeld ( z.B. Schuster, Tischler, Maler, Metzger,Bäcker,Textilmacher etc. ...) und tauschte die Ergebnisse seiner Arbeit ein: entweder im Naturalienhandel oder gegen Geld. Erst mit diesem Tausch bzw. Verkauf kam er in den Genuss jener "Lebensmittel" , mit denen er seine Bedürfnisse befriedigen konnte. 

Die Arbeit des "bürgerlichen Standes"ist also im Unterschied zum (weitgehend eigenversorgenden) Bauern spezialisiert und diensteleistend. Diensteleistend, weil sie nicht oder kaum für die eigene Bedürfnisbefriedigung realisiert wird. Sondern der Bedürfnisbefriedigung  a n d e r e r  dient.  Der Handwerker und Händler, all jene, die im "bürgerlichen Stand leben und arbeiten,  sind letztlich  Spezialisten  u n d   Diensteleister.  

 Der "bürgerliche Stand" mit seiner "Erwerbsarbeit" unterscheidet  sich qualitativ fast so stark von der (weitgehend eigenversorgenden,universellen) bäuerlichen Tätigkeit wie diese von der vorhergehenden Tätigkeit der Jäger und Sammler. Spezialisiert- diensteleistende Tätigkeit, also bürgerliche, ist noch stärker mittelbar als bäuerliche. Zu der dinglichen, zeitlichen und intellektuellen Mittelbarkeit(siehe Agrargesellschaft) gesellt sich die personelle Mittelbarkeit hinzu. Der in der bürgerliche Sphäre lebende Mensch "verkonsumierte" zu seiner Bedürfnisbefriedigung die Resultate der Arbeit vieler - der Bauer weitgehend nur die Resultate der eigenen Arbeit.  Dieser Prozess der personellen Mittelbarkeit wird später dann auch als "Vergesellschaftung" bezeichnet. Zunehmend nimmt die Mittelbarkeit bei der Bedürfnisbefriedigung auch hinsichtlich der Zerlegung der einzelnen Arbeitsschritte sowie des Einsatzes von Maschinen, Technik und modernen Arbeitsverfahren zu.

Die Kultur der spezialisiert- diensteleistenden Arbeitsweise, also der bürgerlichen, ist hinsichtlich der Produktivität den vorangegangenen haushoch überlegen. Schon in den frühen Städten der Menschheit zeigt sich, dass die Wertschöpfung dort um ein vielfaches größer war als die auf dem Land. Es waren die politischen Gebilde, die Völkerschaften mit großen,reichen Städten, mit hoch entwickeltem Stadtbürgertum, die in den jeweiligen Zeitperioden dominierten.

Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die Individuen der Jäger und Sammler sowie den eigenversorgenden Bauern auf emanzipiertere Weise ihre Bedürfnisse befriedigten . Ihre Tätigkeitsweise war eine emanzipierte, emanzipiertere. Emanzipierter, weil weniger strukturierte Abhängigkeit von anderen Menschen herrschte. Der Stadtmensch kann ohne die vielen Mitproduzenten an seiner Seite kaum überleben- der Jäger/Sammler und der eigenversorgende Bauer schon! An dieser Eigenschaft des Emanzipierten ändert sich auch nichts , wenn man weiß, dass de facto insbesondere die (eigenversorgenden) Bauern infolge von Gewalt und Unterdrückung diese Emanzipation kaum "genießen"  konnten.

------------------------------------------------

------------------------------------------------    

Zusammenfassung:

 Drei Arten/ Weisen, unsere (Haupt)Bedürfnisse zu befriedigen haben wir ausgemacht:

-unmittelbares Befriedigen  der (existentiellen) Bedürfnisse (z.B. Hunger führt  u n m i t t e l b a r  zum Jagen bzw. Sammeln ...führt un m i t t e l b a r zum Verzehr). In der Vor/Urzeit lebten unsere Vorfahren fast ausschließlich auf diese Weise. Diese ähnelt  stark  tierischer Form von Bedürfnisbefriedigung

- mittelbares, eigenversorgendes Befriedigen der ( existentiellen) Bedürfnisse ( dinglich,zeitlich, intellektuell)- in der Agrargesellschaft dominierte diese Art der Bedürfnisbefriedigung (z.B. Bearbeiten des Feldes und Säen im Frühjahr; im Sommer ernten, im Winter das Mehl/Brot verzehren)

- mittelbares, spezialisiert-diensteleistendes Befriedigen von Bedürfnissen - Lebens-und Arbeitsweise der Stadtbevölkerung, der Händler und Handwerker, des Bürgertums. Die Menschen arbeiten spezialisiert nur auf einem Gebiet und tauschen die Ergebnisse ihrer Arbeit gegen die universellen Bedürfnisbefriedigungs- Mittel ein.   ("Erwerbsarbeit" ) 

 ---------------------------------------------------------

Ergänzung:

 Die jeweiligen Arten, Bedürfnisse zu befriedigen, sind jeweils vorherrschend in einer bestimmten Epoche:

- in der Vor/Urzeit die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung,

-in der Agrargesellschaft die eigenversorgende (mühevolle Landwirtschafts-) Arbeit und

- beginnend in der Agrargesellschaft in den Städten und dann in den Industriegesellschaften als dominierende  die "Erwerbsarbeit.

Das heißt aber nicht, dass sie  in den Gesellschaften, in denen sie nicht vorherrschen, nicht präsent sind. Dass "Erwerbsarbeit", also spezialisiert-dienstleistende Arbeit wie beispielsweise die der Handwerker und Händler schon in der Agrargesellschaft eine große Rolle spielte, ist schon erörtert worden.

Besonders aber heute, in unserer komplexen Welt, lassen sich alle drei Arten von Bedürfnisbefriedigung (immer noch) antreffen:

Das Fundament in der Art, wie Bedürfnisse in der Marktwirtschaft befriedigt werden, bildet unzweifelhaft die "Erwerbsarbeit", also die spezialisiert-diensteleistende Arbeitsweise, die ihr Arbeitsergebnis gegen Geld veräußert. Darüber hinaus verrichten wir aber auch sehr viel eigenversorgende "Arbeit" - d.h. Tätigkeiten, die uns Mühe bereiten, die mehr oder weniger mittelbar stattfinden, und die wir für die Befriedigung unserer eigenen Bedürfnisse einsetzen. Hausarbeit beispielsweise .

Manche Tätigkeiten können alle drei Charakteristiken aufweisen, z.B. Kindererziehung/betreuung:  diese ist uns oftmals ein direktes unmittelbares Bedürfnis( wenn wir beispielsweise mit Kindern spielen, kommunizieren, Unternehmungen vornehmen) ; kann aber auch mühevoll und aufwendig sein - darum Eigenversorgung ( das Kind über ein Schuljahr zu begleiten, Wäsche waschen, Essen machen , bei Krankheit pflegen etc..) ; kann auch in spezialisiert-diensteleistender Weise vorgenommen werden( Schule, KIGA, Babysitter u.ä. ) .

Immer wenn wir es mit Neigungstätigkeiten zu tun haben, die relativ spontan und unvorbereitet von uns vorgenommen werden, weil wir uns beispielsweise erholen oder entspannen wollen, handelt es sich um  direkte Bedürfnisbefriedigungstätigkeit - der Struktur nach identisch mit der der Jäger/Sammler . Bloß werden hierbei weniger existentielle Bedürfnisse befriedigt ( siehe auch Bedürfnispyramide) , sondern eher höherentwickelte. 

 Die eigenversorgenden "Arbeits"tätigkeiten des normalen Menschen sind in der Marktwirtschaft besonders interessant, da ihr meist  mühevoller und geringeffizienter Charakter  spezialisiert-diensteleistenden Wirtschaftsorganisationen vielfach Möglichkeiten der Übernahme bieten kann. Hausarbeit kann dann von professionellen Firmen erledigt werden, das Geschirrspülen oder das Wäschewaschen der Hausfrau kann von zuvor produzierten technischen Geräten abgelöst werden, Essen kann industriell gefertigt und vorgegart werden.   Eigenversorgende Tätigkeiten heutzutage sind daher vielfach im Fluß und der Veränderung - hin zur Erwerbsarbeit- unterworfen.

 

 /////////////////////////////////////////////////////////////////////////////

 

 

 

18.11.13 17:07, kommentieren

Agrargesellschaft abstrakt

 

Während sich die Menschengruppen in der Vorzeit relativ homogen, in kleinen Zahlen und sehr übersichtlich zusammensetzten, bestanden die bedeutendsten Agrargesellschaften oftmals aus riesigen Imperien mit mehreren Hundertausenden oder gar Millionen Mitgliedern.

In der Vorzeit unterschieden sich die Menschen kaum in der Struktur der Bedürfnisbefriedigung-  u n m i t t e l b a r  Jagen und Sammeln mussten alle, um zu überleben. Mancher besaß zwar mehr Autorität (Stammesälteste, der beste Jäger, der Schamane, etc) als ein anderer  -  Standes- oder gar Klassenunterschiede allerdings gab es nicht. Manchmal spricht man heute auch von dieser Epoche als einer Art "Urkommunismus".

Das änderte sich mit der Sesshaftwerdung der Menschen sehr schnell: die Gesellschaft zerfiel in 4 Sektoren. 4 Sektoren, gegliedert nach der Art und Weise, Bedürfnisse zu befriedigen.

Verblüffend dabei, dass, würde man am Reißbrett eine mögliche, funktionsfähige Agrargesellschaft konstruieren, ebenfalls 4 Bedürfnis- Befriedigungstrukturen entstehen dürften. Vier, eventuell 5 Strukturen wären theoretisch denkbar - und diese sind auch annähernd so entstanden: 

1.Prinzip (eigenversorgend/Subsistenzwirtschaft)

Ich befriedige meine Bedürfnisse weitgehend selbst/Eigenversorgung (siehe oben)

 

----------------------------------------

----------------------------------------

 2.Prinzip ( spezialisiert- diensteleistend)

Die Bedürfnisbefriedigungs- Tätigkeit wird (unter verschiedenen Gewerken)aufgeteilt: die Menschen spezialisieren sich in ihrer Bedürfnisbefriedigungs- Tätigkeit und tauschen diese Arbeitsergebnisse gegen die insgesamt komplexe Bedürfnisbefriedigung ein ("diensteleistend" ). Eigentlich ist dies die erste echte Form von (systematischer) Arbeitsteilung- vorherige "Arbeitsteilungen" in der Vorzeit (Jäger und Sammler) und bei der Eigenversorgung sind nur ansatzweise festzustellen.  Die spezialisiert-diensteleistende Arbeitsweise entspricht im Wesentlichen  dem, was wir heute als "Erwerbsarbeit" bezeichnen.

----------------------------

 

 ---------------------------

----------------------------

Die 2 erstgenannnten Bedürfnisbefriedigungsarten sind "originär", das heißt, sie entstanden aus sich selbst - sind Voraussetzung für die Existenz der 2(3) folgenden:

----------------------------

----------------------------

3. Prinzip (das Gewalttätige)

Es besteht grundsätzlich auch die Möglichkeit, ohne eigenversorgende oder spezialisiert- diensteleistende Tätigkeit seine Bedürfnisse zu befriedigen. Und zwar durch das Anwenden von Gewalt gegen o.g. Bevölkerungsgruppen. Sozusagen  auf parasitäre Weise. Mittels Gewaltanwendung, Räubern, Erpressen,Eroberungen von Gebieten und Völkergruppen,zwanghaft-gewalttätige Einführung von Steuern und Abgaben, Schaffen von Abhängigkeitsverhältnissen wie Fron, Leibeigenschaft oder Sklavenhaltertum oder Tribut etc.....Dieses Prinzip wird im Folgenden als

das Gewalttätige bezeichnet und ist ziemlich identisch mit der weltlichen Macht im Zeitalter der Agrargesellschaft (oder auch " 1.Stand " ) .



 ------------------------------------------------------

-------------------------------------------------------

4. Prinzip  (spirituell/religiös)

In einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen vom Vorhandensein einer "höheren Macht", also eines Gottes, vieler Götter oder Geister etc.  überzeugt sind, macht es durchaus Sinn, dass sich bestimmte Menschen diesen Mächten besonders zuwenden. Sozusagen als "Verbindungsobmänner" zu diesen, um die höheren Mächte günstig und gewogen zu stimmen und für "besseres Wetter" zu beten.  Streng genommen handelt es sich um eine spezialisiert- diensteleistende Tätigkeit. Der Stamm , das Dorf oder die gesamte Gesellschaft befriedigen die (materiellen) Bedürfnisse dieser Menschen (Priester, Mönche, Kirche etc. ) - im Gegenzug "liefern" diese ihre Dienstleistungen ( Beten,religiöse Bildung, Anleitung etc. )  an die Gesellschaft. Als Nebenprodukt quasi leistet dieser Sektor "zusammenhaltende" Tätigkeit, indem er Religion, Spirituelles,  Erzählungen, Mythen findet, pflegt und propagiert.

 

 ----------------------------------------------

-----------------------------------------------

 

( Zusatzprinzip)

Eine unemanzipierte Art und Weise, Bedürfnisse zu befriedigen ist die bettelnde, fürsorgeeinfordernde, alimentierte - kurz, von den Spenden, Almosen,  Gaben der Anderen zu leben. Dabei kann es sich beispielsweise um Bettler, Kranke und Sieche, Waisenheiminsassen und/ oder Alte und Gebrechliche  handeln. 

 

 

//////////////////////////////////////////////////////////////////////////////

20.12.13 17:40, kommentieren

Agrargesellschaft real

Selbstverständlich ist die reale Agrargesellschaft, wie sie  ca. 10 000 Jahre  existierte, nicht deckungsgleich mit der o.g. abstrakten Darstellung. Sie war vielmehr hochkomplex, vielschichtiger, farbiger - und oft genug können wir  verschiedene Bedürfnisbefriedigungs- Strukturen  g l e i c h z e i t i g  bei den jeweiligen  Individuen   vorfinden.

Wir gehen dennoch in diesem Abschnitt von o.g. abstrakten Bedürfnisbefriedigungsstrukturen aus und erweitern sie zu einer realen, wirklichkeitsnäheren Sicht.

---------------------------------------------------------------

1. Eigenversorgende, landwirtschaftliche  Sektor   

Nirgendwo ( außer fiktional bei Robinson Crusoe) hat eine 100%ige Eigenversorgung stattgefunden, lässt man einmal Eremiten /Einsiedler außer Acht. Und selbst Robinson profitierte letztlich von mehreren Kisten mit Werkzeugen , die der Sturm an Land spülte und die aus diensteleistend-spezialisierter Tätigkeit stammten.

Die Entdeckung, Verarbeitung  und Nutzung von Metallen (Bronze, Eisen) konnte kaum eigenversorgend erfolgt sein. Dies wurde ganz sicher von "Spezialisten" betrieben. Und wurde dann von "Händlern" (diese sind auch "Spezialisten"  zu den eigenversorgenden Bauern im Tausch gegen Naturalien, beispielsweise Essen und Unterkunft, geliefert .

Abhängig von der Bodenbeschaffenheit, der Bodenfruchtbarkeit , wurden  (mal weniger, mal mehr)  Überschüsse von den Bauern produziert, die aber  kaum mehr als ein Bruchteil der Landwirtschaftserträge ausgemacht haben dürften. Diese Überschüsse  wurden zur Versorgung der Stadbevölkerung (hauptsächlich über den Markt) und als "Tribut/Steuer/Pachtlieferung" an den gewalttätigen und religiösen Sektor verwendet.

Ob die Eigenversorger nun in der Familie ( meist Großfamilien ) oder im Lokalverband/kollektive Eigenversorgung ( Dorf) agierten, ist dabei eher nebensächlich. Grundsätzlich gilt hier ein sehr sehr hohes Maß an Eigenversorgung  - die Versorgungsgemeinschaften hätten - ganz im Gegensatz zur heutigen modernen Bevölkerung- jahrelang ohne Versorgung/Tauschwirtschaft von außen - existieren können.   

 

 Mit der Zunahme des Geldes (Münzen ) als Tauschmittel konnten auch die Eigenversorger stärker in die gesamtgesellschaftlichen Wirtschaftskreisläufe eingebunden werden. Stärkere Hinwendung zu bestimmten (spezialisierten) Produkten, die auf dem Tauschmarkt höheren Wert besaßen, war die Folge. Die Eigenversorger hatten nun stärkere Anreize, ihre Produktion über die Eigenversorgung hinaus zu steigern. Davon profitierten die Städter (spezialisiert-diensteleistender Sektor) aber auch die Eigenversorger, die  nun beispielsweise bessere Werkzeuge, Materialien, Textilien etc. eintauschen konnten.

Im 19.Jahrhundert, im Zuge der Industrialisierung in Europa und Nordamerika,driftete der Eigenversorgende Sektor vollends in einen Spezialisiert- Diensteleistenden ab, die Eigenversorgung in der Landwirtschaft  wurde zweitrangig.   

 

 ----------------------------------------------------

-----------------------------------------------------

 

2.Spezialisiert-diensteleistender Sektor (auch Bürgertum,Erwerbsarbeiter     etc.) 

Dieser Sektor ist weitgehend identisch mit dem Städtebürgertum, den Handwerkern, Händlern, Bergleuten ( mit Ausnahme der dort häufig vorkommenden Sklavenarbeit) , den Wanderarbeitern ( auch in der Landwirtschaft) und ähnlichen spezialisiert- diensteleistenden Individuen. In den Städten herrschte zu fast 100%  spezialisiert- diensteleistende Tätigkeit , weil in Städten eben (aufgrund ihrer Natur)  kein Acker-und Weideland verfügbar ist. Ausnahmen mögen die Gärten innerhalb der Städte gewesen sein, die einen gewissen Grad Eigenversorgung zuließen. Auch existierten beispielsweise Ackerbürgerstädte ( eher kleinere Städte), in denen die Bürger vor den Toren der Stadt Land zur Eigenversorgung bewirtschafteten. Erstaunlich, aber auch folgerichtig  in allen bekannten Agrargesellschafts- Hochkulturen, dass der spezialisiert- diensteleistende Sektor  ( eben aufgrund von Spezialisierung)  enorme schöpferische Leistungen hervorbrachte, so vor allem heute noch sichtbar in der Baukunst z.B. Pyramiden und  Kirchen.

 

Beispielsweise beim Bau von Palästen, im Städtebau wie in Venedig, Rom, Peking etc..., Bergbau , Metallverarbeitung, Schmiedekunst,  Malerei und Bildhauerei, Textilverarbeitung, Bader und Medikusse, aber auch in  Waffentechnik...und Kriegshandwerk. Ja,  die Söldner in Diensten der Herrscher waren im Grunde genommen Spezialisten, die "diensteleistend" ihre  "Kunst" den jeweiligen Kriegsherren zur Verfügung stellten.   

 

Der Markt

Die spezialisiert- diensteleistend Tätigen  benötigen zur Fristung ihres Lebens universelle "Leistungen" zur Bedürfnisbefriedigung . Um diese zu bekommen, müssen die eigenen spezialisierten Leistungen  eingetauscht werden in die vielen Mittel, die zum Leben ( auf einem gewissen Niveau) notwendig sind. So braucht der Schneider   Lebensmittel, ein Haus über den Kopf, medizinische Versorgung im Notfall, Werkzeuge etc. ... Der Söldner benötigt ebenfalls Lebensmittel, Waffen, Kleidung etc. ....

 Der Zauberort, an dem die spezialisierten Eigenleistungen in die genannten universellen/vielfältigen Leistungen zur eigenen Bedürfnisbefriedigung umgewandelt werden können, heißt

Markt.

Es ist erst einmal unerheblich, ob auf einem Naturalien- Tausch-Markt oder einem Markt mit Geld getauscht bzw. verkauft und gekauft  wird. Der Grundmechanismus ist ähnlich. Allerdings ist ein Markt mit Geld wesentlich effizienter, leistungsfähiger und universeller- zumal Geld auch eine Aufbewahrungs- und Speicherfunktion hat. Naturalien-Tausch-Marktwirtschaften sind sehr beschränkt in ihren Möglichkeiten - Märkte auf der Basis von Geld dagegen äußerst dynamisch und komplex.    

 

 Geld:

Die Anfänge des Geldes gehen wohl in die Steinzeit zurück. Stämme/Horden/Sippen machten ihre ersten Erfahrungen mit "Werkzeugen" , behauenen Steinen aus Materialien, die eher selten vorkamen ( Feuerstein, Obsidian u.ä.), die, wenn richtig bearbeitet, auf der Jagd und dem Zerlegen von Wild wertvolle Dienste leisteteten... Auch  Schmucksteine zum Verzieren des Körpers  fallen wohl in diese Kategorie. Diese wurden dann (hin und wieder) getauscht , wobei sich zunehmend ein (leicht) abstrakter Tauschwert herausschälte. (z.B. eine Pfeilspitze aus Obsidian getauscht gegen eine Handvoll Salz beispielsweise. )...

In der Bronzezeit entwickelte sich Kupfer dann zum wertvollen Material, es avancierte  auch zum Tauschwert(Münzen)  , es spalteten sich Nutzwert ( als Werkzeug/Bronze) und Tauschwert sowie Aufbewahrungswert auf.... Die (abstrakten) Münzen hatten also außer Tausch-/ Zähl- und Aufbewahrungswert immer noch einen Nutzen ( den Nutzwert). Sie konnten eingeschmolzen werden zu einer praktischer Verwendung. Der " Münzwert" quasi war durch den Materialwert gedeckt. 

 

Ähnlich verhielt es sich später mit Silber und Gold. Außer dem Aufbewahrungs- und Zähl-/Tauschwert konnten Silber und Gold allemal zu Nutzbringendem (Schmuck- und Prestigestücke bzw. -arbeiten ) verarbeitet werden. Kupfer, Silber und Gold haben quasi in sich einen (praktischen) Wert. Es deckt sich sozusagen selbst. 

Der Nutzen , den der allmählich in Schwung kommende Handel mit Münzen brachte, war immens. Nun konnten spezialisierte Leistungen untereinander in unkomplizierter Weise getauscht werden. Dazu kam der suggestive Charakter des Geldes (bzw. der Münzen) , dessen bloßes Vorhandensein die Leistungserbringung aller Marktteilnehmer anspornte bzw. inspirierte. Erst mit solch einem Geldsystem konnten sich die antiken und vorneuzeitlichen Gesellschaften/Imperien/Zivilisationen entwickeln.

Allerdings - mit heutigen Augen betrachtet- handelt es sich in einer Wirtschaft, die lediglich auf Münzen beruht, um eine Art " Halbgeld- Wirtschaft" . Das Münzgeld besaß noch einen Materialwert. Heutiges Geld dagegen besitzt diesen nur noch rudimentär ( Kleingeld wie Cent, Pfennig,Ein-Dollar-Münzen  o.ä. ) , Geld entwickelte sich ab dem 18.Jh/19.Jh zum Abstraktum, zum "Vollgeld", zu Geldscheinen oder später  zum Elektronischen Geld. Wobei beide letztere  Arten sich auch wiederum qualitativ fundamental unterscheiden( siehe später ) .       

 

 ---------------------------------------------------

----------------------------------------------------

 

3. Gewalttätiger Sektor

 

Der Gewalttätige Sektor, im Grunde genommen ein parasitärer Sektor, ist dennoch in der Agrargesellschaft aus verschiedenen Gründen nicht wegzudenken.

Mittels Gewalt entstanden Weltreiche (Rom, Mongolen, Türken  etc. ),die "Gewalttätigen"  konnten offenbar sehr gut von den Leistungen der unterjochten Völker leben. Jedenfalls besser als die eigenversorgenden Bauern oder die Bürger in den Städten.

Aber die Gewalt schuf auch Gegengewalt in Form von ( mehr oder weniger tüchtigen) Verteidigern. Diese mussten sich hierarchisch organisieren, es entstand so allmählich überall parallel dazu eine  Gewalt nach innen... Der latente Kriegszustand  schuf den/die Kriegsherren, letztlich den Herrscher, die Herrscherkaste ,mit teilweise unbeschränkten Machtmöglichkeiten. Nur aus diesem Grunde konnten nach innen Abhängigkeiten wie Leibeigenschaft, Tributzahlungen, Frondienste etc... entstehen.

Ziel der Kriege war (meist) Landeroberung ( als wichtigste Quelle des Reichtums), die Herrschaft über Menschen ( auch Sklaven) oder der Raub von "Schätzen"(z.B. auch die Gier nach Gold im Zuge der Eroberung Amerikas durch die Spanier/Portugiesen)  - aber es ging auch um das (menschliche) Bedürfnis nach Macht und Prestige

 

 

 

Wie dem auch sei, nur durch die Anwendung oder Androhung von Gewalt entstanden Ausbeutungs- und Unterdrückungsverhältnisse, die bis heute rudimentär (in  Monarchien) fortwirken.

Und in einer Welt, in der die Gewalt überall zu Hause ist, konnten sich Herrscher bzw. Kriegsherren ihrem Volke legitimierend  "andienen" , indem sie einen gewissen Schutz vor noch übleren ( äußeren ) Gewalttätigen boten... ganz zu schweigen von dem Aufrechterhalten der Ordnung im Inneren ( die aber auch das Unrecht des Parasitären konservierte).

Es war für Bauern und Bürger besser, ihrem Herrscher/Kriegsherrn untertan zu sein und in einem gewissen Maße beschützt zu werden, als noch schrecklicheren ausplündernden  äußeren Feinden ausgeliefert zu sein. Eine gewisse Legitimation also muss man den (eigenen) Herrschern und Kriegsherren mit ihrem Gefolge quasi zugestehn. Der eigene Herrscher also dürfte den meisten Mitgliedern des 1. und 2. Sektors als das kleinere Übel erschienen sein.

 

 ------------------------------------------------------

-------------------------------------------------------

 

 

4. Der spirituell- religiöse Sektor

 

In allen Zeiten der Agrargesellschaft waren die Menschen zutiefst religiös-  atheistisch denkende Menschen waren sicher eher die Ausnahme. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in allen Agrargesellschaften der religiös/spirituelle Sektor sehr stark ausgeprägt war, großen Einfluss bis hin zur weltlichen Macht besaß und einen Großteil des gesamtgesellschaftlichen "Reichtums" absorbierte. 

Die Abhängigkeit der Menschen von der Landwirtschaft und damit vom Wetter dürfte dabei die größte Rolle gespielt haben. Über Wetterursachen und Verläufe war wenig bekannt- beten, opfern und Dankbarkeit bezeugen war im Grunde genommen da logisch.

Man kann, ja muss von einer Art Arbeitsteilung in der Agrargesellschaft sprechen: hier die weltlich Tätigen ( 1.,2.,3. Sektor), da die "hauptamtlich"   (und "diensteleistend" )  Gott bzw. die Götter   Anbetenden. 

Außer dem "Draht" zum mächtigen "Wettermacher" spielten die Religionen aber auch eine bedeutsame Rolle bei der Identitätsstiftung großer Menschengruppen. Gemeinsame Ansichten und Riten, Erzählungen und Mythen , gemeinsame Götteranbetung schweißten die Menschen ( zum Volk/zur Kultur) zusammen. 

Und außerdem dürfte das Beten und der Glaube an einen Gott/ die Götter psychische Entlastung für die Menschen bedeutet haben: in Zeiten der Not, allgegenwärtiger Kriege und allgemeinen psychischen Drucks wendet man sich eben ( mehr oder weniger ) an einen Beistand- egal ob dieser real oder irreal: "Jetzt hilft nur noch Beten!".

Diese Gründe und sicher noch viel mehr führten eben dazu, dass die Menschen, die sich "hauptamtlich" der "Götterkontaktpflege " widmeten und die Gesellschaftsmitglieder in diesen Belangen  " schulten",  von der Gemeinschaft versorgt wurden. Im Grunde genommen ist dies ein diensteleistender Prozess . Allerdings zeigt die agrargesellschaftliche Realität, dass sich dieser geistliche Sektor, vor allem in Europa eine Reichtums- und Machtfülle aneignete, die an Parasitäres grenzt ( siehe Rom/Vatikan/Macht der Päpste/  Kurie /Bischofseinflüsse etc....)

Mancherorts eben verhielt sich der religiöse/spirituelle Sektor ambivalent: nützlich und diensteleistend für die gesamte Gesellschaft , aber auch ausplündernd, machtmissbrauchend und parasitär.   

 

Die Herausbildung von Völkern , Nationen und Kultur wäre ohne diesen Sektor kaum vorstellbar gewesen, schuf er doch eine Art geistige Identität: Kultur, Religion,  Spiritualität , Mythen, Erzählungen ( siehe auch Yuval Noah Hararii "Eine kurze Geschichte der Menschheit" )

///////////////////////////////////////////////////////////////////////////////Trotz

 Trotz ihrer Komplexität sind die Grundstrukturen der Agrargesellschaft relativ leicht zu beschreiben. In allen Kulturen seit der ersten Sesshaftwerdung der Menschen (vor 10 000 Jahren ca.)  sind die 4 Sektoren (Bedürfnisbefriedigungs-Organisationstrukturen) anzutreffen- im Orient, in der Antike, im vorkolumbischen Amerika, im europäischen Mittelalter etc....

Vielfach überlappen sich diese Sektoren: d e n Eigenversorger per se gab es nicht, er belieferte mit Lebensmitteln die anderen 3 Sektoren- auf der Basis von Geld oder Zwang oder religiösen Bindungen. Auch der Spezialisiert-Diensteleistende  konnte teilweise ( in Gärten oder Ackerbürgerstädten ) Eigenversorgung betreiben. Und die Gewalttätigen und Religiös-spirituellen Sektoren leisteten "Dienst" an den jeweils anderen 3 Sektoren. Was sie aber nicht abhielt, diese Funktion bis hin ins Parasitäre auszuweiten. Ja, das Parasitäre war in der Praxis meist primär, die diensteleistende Funktion sekundär. 

Seit ungefähr dem späten 18.Jh begann, über Jahrzehnte andauernd und von Europa und Nordamerika ausgehend , ein Aufbrechen dieser tausende Jahre alten Organisations- Strukturen - begann der große Sprung in die Moderne...

 

 

10.1.14 21:08, kommentieren

Der große Sprung in die Moderne

Die Gelehrten streiten sich noch: wann kam der homo sapiens, also der Neumensch,in der Geschichte ins Spiel: Wahrscheinlich  so vor ca. 150 000 Jahren...

Die Agrargesellschaft begann sich vor ca. 10 000 Jahren allmählich aus der Vorzeit "herauszuschälen". Und der Große Sprung ( oder auch die Industrielle Revolution, Industrialisierung benannt) begann (ungefähr)  Ende des 18.Jahrhunderts.

Und seit diesem "Sprung" ist nichts mehr wie es wahr, hat sich die Erde völlig unter der Hand bzw. unter dem Diktat der Menschen gewandelt. Gemessen an den 150 000 Jahren zuvor aber sind die knapp 250 Jahre "Moderne"  nur ein Wimpernschlag ( 0,17 %  Zeitanteil im Rahmen der menschlichen -homo sapiens - Existenz ). 

Ein Mensch der Anfang des 18. Jahrhundert lebte, hatte  mit dem Menschen neuntausend Jahre zuvor  mehr gemein als mit dem Homo sapiens des 21.  Jahrhunderts: durchschnittlich geringe Lebenserwartung, hoher Grad Eigenversorgung, manuelle Landarbeit, geringe Bildung... Seit 250 Jahren nun aber entfernt sich der Mensch im Zeitraffertempo von der Agrargesellschaft ...und mutierte auf der Erde zum alles beherrschenden Riesen.

 

Wie kam es, dass innerhalb einer historisch äußerst kurzen Zeitspanne  im Menschenreich mehr passierte, sich mehr veränderte,  als die 150 000 Jahre zuvor?  

 ----------------------------------------------------

Wir müssen wieder bei der Mittel-/Unmittelbarkeit der Bedürfnisbefriedigungs- Struktur beginnen:

Jäger und Sammler befriedigten ihre Bedürfnisse unmittelbar. Der eigenversorgende Agrarmensch dagegen  mittelbar, der spezialisiert- diensteleistende "Erwerbsarbeiter" ebenfalls mittelbar. 

Allerdings ist die Mittelbarkeit des Spezialisiert- Diensteleistenden wiederum stärker ausgeprägt als die des Eigenversorgers, weil zur (speziellen) Tätigkeit an sich die Aktivität des Eintauschens oder Verkaufens hinzukommt. Der Spezialisiert- Diensteleistende braucht einen "Instinkt" hinsichtlich dessen, was auf dem "Markt" benötigt wird und wie er auf dem Markt optimal agieren kann (d.h. wie er seine Leistungen bei effizienter Leistungserbringung  maximal veräußern kann ). In der Regel waren die "Erwerbsarbeiter" aufgrund ihrer spezialisierten Arbeitsweise hinsichtlich der Qualität und Quantität ihrer Leistungen den Eigenversorgern überlegen. was u.a. auch im Reichtum der Städte zum Ausdruck kam/kommt.

 

Künstliche Tätigkeitsverstärker

Zu dieser Überlegenheit hinsichtlich der Mittelbarkeit und des Ausstoßes ihrer Leistungen  gesellte sich ab Ende des 18.Jh etwas, was nachfolgend als "künstlicher Tätigkeitsverstärker" bezeichnet wird. Und in dessen Folge dieser Sektor nicht nur alle anderen Sektoren bei Weitem überholte, sondern diese sogar assimilierte und letztlich fast auslöschte . Die spezialisiert-diensteleistende Arbeitsweise avancierte zur vorherrschenden in der Menschenwelt. Es handelte sich um das, was in den Geschichtsbüchern heute als "Industrielle Revolution" oder "Industrialisierung" bezeichnet wird und noch lange nicht zum Abschluss gekommen ist.

 

 Der Kern künstlicher Tätigkeitsverstärker ist "künstliche " Energie, sind "künstliche" Energiequellen, Kohle, Öl, Elektrizität etc....   Zwar nutzten die Menschen vor dem Großen Sprung auch bereits Wind, Wasser, Feuer, Schießpulver etc.  im Bedürfnisbefriedigungsprozess , doch konnte man diese Energiequellen nur sehr begrenzt einsetzen. Diese waren lediglich an einem bestimmten Ort und nur in einem gewissen Maße verfügbar.  Hauptsächlich wurde mit menschlicher Muskelkraft und der Kraft von Tieren (Ochsen, Pferde ) gearbeitet. Die"künstlichen" Energiequellen aber sind nicht nur "gehaltvoller", sie lassen sich auch "ortsflexibel" einsetzen - insbesondere ab Ende des 19.Jh die Elektrizität (auch Gasleitungen) . Und vor allem die Kohle, die spätestens zu Beginn des 19.Jh zum wichtigsten Energieträger aufstieg, konnte - dank ihrer Verbrennung in der Dampfmaschine- überallhin verfrachtet werden.


Parallel boomte in (England) der Maschinenbau (Textil, Dampfmaschinen) .

Beide aneinander gekoppelte Prozesse ( neue Energieträger und Maschinen ) sind das, was ich fortfolgend  "künstliche" Tätigkeitsverstärker" nennen werde.     

Dass sich diese "künstlichen Tätigkeitsverstärker" fast ausschließlich  im Bereich der Spezialisiert- Tätigen , also des Bürgertums,  durchsetzen konnte hat seinen Grund in der Spezifik dieser Bedürfnisbefriedigungs- Organisationsstruktur: Spezialisiertes Tun ist immer wenigdimensional, recht einförmig und mit wenigen Tätigeitsschritten ausführbar. Auch wenn sich gerade in diesem Sektor sehr hohe Meisterschaft ausformen konnte, ändert das nichts an der Tatsache des "Wenigdimensionalen " . Im Unterschied dazu arbeitet der Eigenversorger (man denke auch an Robinson) höchst komplex, muss die unterschiedlichsten Tätigkeiten ausführen (Feldbau, Hausbau, Tierzucht, etc.... ) . 

Und "künstliche Tätigkeitsverstärker", wie etwa Dampfmaschine , Eisenbahn, mechanische Webstühle , die  zwischen 1750 und 1850 die westliche Gesellschaft in vielerlei Hinsicht revolutionierten, "dockten" an diese  Spezialisierung an. Die Dampfmaschine ersetzte Naturkräfte (Wind,Wasser und Muskelkraft), die mechanischen Webstühle ersetzten die Arbeitskraft, also Quantität und Präzision  v i e l e r  Weberinnen   und die Eisenbahn führte  das bisherige Pferde- Verkehrswesen in  bisher ungeahnte Dimensionen. 


 

Künstliche Tätigkeitsverstärker unterstützen also (fast)ausschließlich den spezialisiert- diensteleistenden Sektor, machte ihn reich. Er erweiterte die Mittelbarkeit des spezialisiert- diensteleistenden

 ----------------------------------------------

 Der Begleitende Bereich:

Zum Begleitendenen Bereich gehören all jene Menschen mit ihren Tätigkeiten, die nicht unmittelbar zum Bereich der  Künstlichen Tätigkeitsverstärkung gehören, aber dazu beitragen, diesen flankierend zu entwickeln bzw. zu gestalten. Sie arbeiten ebenfalls spezialisiert- diensteleistend, werden oftmals über den Staat, aber oft auch von privaten Organisationen und Firmen "bezahlt" . Gemeint sind hierbei Menschen und Prozesse, die  sich mit Wissen und Wissenschaft, Technikentwicklung und Grundlagenforschung, Organisation und Gesetzgebung, aber auch Ökonomie beschäftigen und den Künstlichen Tätigkeitsverstärkungsbereich im weitesten Sinne fördern . 

 

 

 Die Vorläufer des Begleitenden Bereichs reichen weit in die Agrargesellschaft zurück. Die Schriftgelehrten - innerhalb der Kirchen oder der Herrschaftshäuser- gehörten ebenfalls dazu wie alle diejenigen, die Wissen weitergaben, konservierten und weiterentwickelten. Und Rahmenbedingungen schufen...

Hauptsächlich ist hierbei Wissen jenseits des spirituellen/religiösen Sektors gemeint...  Wissen über Dinge,  Ereignisse, Wetter, Pflanzen- und Tierwissen , Handwerksechniken und Traditionen. 

Und wichtigster Träger des Wissens ist seit ca. 6000 Jahren die Schrift, das beschriebene/bedruckte Papier. Das Menschenleben, das Menschengedächtnis ist kurz und endlich-  Schriften können Jahrtausende überdauern . 

Mitte des 15.Jh entwickelte  Johannes Gutenberg einen Mechanismus, den wir  als Buchdruck bezeichnen. Die bisherige Praxis, mühseliges Schreiben per Hand  ( Papyrus, Pergament) mittels Schrifttexten zu vervielfältigen, wurde weiterentwickelt zu einem wesentlich schnelleren Verfahrens, eben dem Buchdruck - eine wahre Revolution bei Wissensverbreitung ,- vervielfältigung und- speicherung.  

Ein Großer Sprung in die Moderne wäre ohne diese Neuerung nicht denkbar. Friedrich Engels, ein Freund und Förderer von Karl Marx und anerkannter Historiker seiner Zeit, konstantierte, dass mit der Erfindung des Buchdrucks das Mittelalter endete und die Neuzeit begann.  

 


 In Folge der (in historisch kurzen Zeit) rasanten Entwicklung der Künstlichen Tätigkeitsverstärker nahm der Reichtum ( und letztlich auch die Macht) des spezialisiert- diensteleistenden Sektors dramatisch zu: Noch einhundert Jahre zuvor standen die vom Gewalttätigen Sektor beherrschten Staatsgebilde Europas im Absolutismus in einer selten gekannten Blüte. Knapp zweihundert Jahre später hatten sie (fast) jeglichen Einfluss verloren.

Der Kapitalismus, die Marktwirtschaft oder eben die Spezialisiert- diensteleistende Arbeitsweise hatte den Planeten fast vollständig erobert...

Und selbst die Eigenversorger der Landwirtschaft spezialisierten sich zunehmend und verkauften den überwiegenden Großteil ihrer  immer ertragreicheren Leistungen auf dem Markt- wandelten sich zu Spezialisiert-Diensteleistenden, die mittels Geldwirtschaft immer mehr von diesem Sektor angesogen wurden.

Die alten Adelsgeschlechter verschwanden im Operetten- Orkus der Geschichte, der eigenversorgende Bauer wandelte  sich zu einem Unternehmer . Und der religiös- spirituelle Sektor ( außer in Teilen der islamische Welt )  wurde säkularisiert, nahm gewaltig an Bedeutung ab und wandelte sich von einem (teils) parasitären zu einem nur noch diensteleistenden- spezialisierten Sektor. 

 

--------------------------------------

 

 

 

 

 

 

 

 

15.1.14 15:42, kommentieren

Begrifflichkeit /Leistungsprozess/Markt

Nach 1900 hatte die spezialisiert-diensteleistende Arbeitsweise (zumindest in den fortgeschrittenen Staaten) vollständig gesiegt. Sie war zur absolut vorherrschenden geworden.

Und obwohl sie hinsichtlich ihrer Arbeitsindividuen enorm "bunt" und pluralistisch zusammengesetzt wirkt (z.B.Produzenten,Unternehmer, Arbeiter, "Arbeit"nehmer", Selbstständige, Angestellte, Beamte,   Bewaffnete etc....)  kann man doch all diese Individuen unter einen (abstrakten) Begriff zusammenfassen: "Spezialisiert-Diensteleistend Tätige...."oder ( siehe die Grafik): "Leistungserbringer"....

Der Begriff "Leistungserbringer" macht deshalb Sinn, weil er verwandt ist  mit dem "Gegenstück" :  "Leistungsinanspruchnehmer"; so wie beide Prozesse verwandt sind  bzw. zwei Seiten einer Medaille bedeuten,; beide ähneln den Begriffen Produzent - Konsument ....   Allerdings sind letztere nicht so präzise, weil zu enggefasst.

Leistungserbringer sind im Grunde all jene, die einer Geld-verdien-Tätigkeit nachgehen , unabhängig ob Staatsdiener oder Selbstständige, Verwalter oder Produzenten , Soldaten/Polizisten oder Dienstleister. Auch "Kollektive"... Wer mittels Geldverdienen, am Markt, am Leistungsprozess, teilnimmt, wird nachfolgend als "Leistungserbringer" bezeichnet.      

 

 Die "Leistungserbringung" entspricht im Wesentlichen der (in materielle und/oder immaterielle Ergebnisse geronnenen)  Arbeitswelt. "Leistungen" sind die mit Geld entlohnten "Arbeitsleistungen". Leistungen in unserem Sinne sind nicht die Tätigkeiten der Hausfrau, Freizeitbeschäftigungen oder die Erziehung der Kinder durch die Eltern

- Leistungen sind quasi die Ergebnisse der (Lohn)Arbeit. 

Man muss vollständigerweise aber neben den "Leistungen" der Individuen im Arbeitsprozess  auch die der kollektiven Leistungen ( Unternehmen, Genossenschaften etc. )  und der staatlichen Leistungen ( hier Politik, Armee,Polizei etc.  als Gesamtes ) benennen..

All jene "Leistungen" werden auf dem Markt "getauscht", verkauft, angeboten, erstanden...Die reinste Form des "Marktwirtschaftens" ist der individuelle Kauf/Verkauf, zwischen einzelnen Produzenten, Handel und Individuen. Dieser "Markt" gilt gemeinhin als "frei", da die Leistungen frei ausgehandelt werden. Gemäß der Devise : Angebot und Nachfrage.

Aber auch die staatlichen "Leistungen" und Angebote, vom öffentlichen Dienst  hin zu Transferzahlungen werden ( zwar nicht restlos frei) aber letztlich ausgehandelt: von Gewerkschaften, Politik, aber auch durch  Wahlen. Alle Leistungen letztlich unterliegen somit einer "Marktsphäre", vermittelt durch das Geld - wobei der Markt im Grunde genommen eben sehr differenziert, vielschichtig und komplex dargestellt werden muss.   

--------------Und zumindest für den "freien" Markt gilt eine Art ökonomisches Handlungsgesetz: das Individuum oder eben der Produzent, oder eben die Wirtschaftseinheiten versuchen mit einem Minimum an Aufwand  ein Maximum an Geld-Äquivalent zu erzielen!  Also anders formuliert: Kampf an zwei Fronten: stetige Aufwandsreduzierung  bei gleichzeitigem maximalen Preis/Umsatz/Gewinn.-----------------------------

....aber letzteres soll in diesem Blog nicht das Thema sein- da eher ein betriebswirtschaftliches! -------------------------------

 

Solange wie der Mensch als Individuum auf der Erde wandelt, sind menschliche Bedürfnisse ihrem Wesen nach individuell. Und der individuellen Bedürfnisbefriedigung dient l e t z t l i c h  die "Leistungsinanspruchnahme". Der "Leistungserbringungs"-Prozess ist ( siehe oben) ein spezialisiert- diensteleistender ... die Inanspruchnahme per Geld daher auch ein partieller...   die Individuen  tauschen/kaufen aber in der S u m m e  ihre gesamtheitlich/komplexen Bedürfnisbefriedigungs- Mittel auf dem Markt und nehmen letztlich (mehr oder weniger)  ihre gesamten Bedürfnisbefriedigungsmittel auf dem Markt auf... Andernfalls könnten sie in der modernen Gesellschaft nicht mehr existieren...   

 

--------------------------------------------------

Der Stetige Spannungszustand im Leistungsprozesses (Marktwirtschaft) 

Alle Leistungserbringer, aber auch modifiziert die Leistungsinanspruchnehmer, (  "Markt-Teilnehmer" bzw. Konsumenten ), unterliegen einem stetigen Spannungszustand: 

 Die Leistungs-Erbringer ( auf einem freien Markt) unterliegen permanent einer Konkurrenzsituation. Auch hinsichtlich der Absetzbarkeit ihrer Leistungen ( an die Leistungsinanspruchnehmer) haben sie keine Gewissheit. So laufen sie ständig Gefahr, ihre "Existenz" als Leistungserbringer zu verlieren, weil sie ihre Leistungen möglicherweise nicht absetzen können ( eben wegen Konkurrenz oder mangelnder Nachfrage oder zu teuer) . Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit, die Konkurrenz zu überflügeln oder mit einer Leistung konkurrenzlos auf dem Markt zu erscheinen... Überdurchschnittliche Tausch/Verkaufserlöse wären dann die (positive) Folge.

Die Leistungs-Inanspruchnehmer dagegen haben mit der Unübersichtlichkeit des Marktes ( Leistungserbringung) zu tun, müssen im Grunde genommen Tausch-/Einkaufsbedingungen/Preise sondieren und die (fremden) Leistungen der Leistungs- Erbringer auf ihre Bedürfnisse überprüfen.

Daher ist es zwingend notwendig, den Leistungsprozess, den Markt , die Existenz der Leistungserbringer und Leistungsinanspruchnehmer als in stetiger Spannung befindlich zu charakterisieren... als einen Stetigen Spannungszustand.    

 

 ----------------------------------------------

Die "unsichtbare Hand" (nach Adam Smith) mag ja Angebot und Nachfrage regeln. Die Regelung des Preises aber ist , verinnerlicht man den Leistungsprozess mit Leistungs-Erbringer und Leistungs-Inanspruchnehmer, relativ leicht nachvollziehbar: 

Der Leistungs-Erbringer muss wenigstens seine Kosten, seinen Aufwand , seinen "Lohn" decken. Er muss mindestens einen "Herstellungswert" auf dem Markt erzielen... und möglichst ein wenig mehr (Gewinn u.ä.: Bestandteil des "Herstellungspreises"  ) .

Der Leistungsinanspruchnehmer will  mit der Leistung sein/e Bedürfniss/e abdecken, er benötigt, braucht die Leistung  . Dafür ist er bereit, einen mehr oder minder hohen "Gebrauchswert" zu zahlen.   ("Was ist mir die Leistung wert?" )

Und der Stetige Spannungszustand führt dazu, dass manchmal Überangebot, manchmal Unterversorgung, oft aber auch  Deckungsgleichheit zwischen Leistungs- Erbringung und Leistungs- Inanspruchnahme herrscht. Was auch auf den Preis durchschlägt. Dies nenne ich den "Angebots- und Nachfrage- Wert".  

Alle drei "Werte" pegeln sich dann im Preis ein... auch hierbei könnte man von einer "unsichtbaren Hand" sprechen - wenngleich hier sehr unüberschaubare, komplexe ökonomische und bedürfnispsychologische Mechanismen wirken.  

 

 

 

 

 

 

21.1.14 19:05, kommentieren

Krieg/Frieden/Faschismus/Realex.Sozialismus

Über die Frage Krieg-Frieden heute lassen sich eigentlich, behält man den Leistungsprozess dabei im Auge,   ziemlich genaue tendenzielle Aussagen machen. Die uns eigentlich auch sehr optimistisch für die Zukunft machen sollten...

------------------------

Es ist Tatsache, dass demokratische Staaten ( die des Westens) noch nie gegeneinander Krieg geführt haben. Und das hat seine "Ursachen". 

In der Agrargesellschaft war der Boden die Quelle des (überwiegenden) Reichtums. Und Boden, vor allem fruchtbarer,  war/ist begrenzt. Die meisten Kriege drehten sich daher um die Zugewinnung von Land. Auch um die Unterwerfung von Menschen, die man als billige (unqualifizierte) Arbeitskräfte (z.B.Sklaven) in der Feldarbeit, im Bergbau oder in den Palästen verwenden konnte, wurde gekämpft... oder  Tributzahlungen... Dies machte  von der Logik der Bedürfnisbefriedigung her betrachtet Sinn, ließen sich so  oft genug qualitativ-quantitativ besser Bedürfnisse befriedigen als mit eigener landwirtschaftlicher oder handwerklicher Tätigkeit.( siehe auch Auszug aus Aristoteles: "Der Staat der Athener" )

 

Auch herrschte - sicher auch infolge allgemeiner kriegerischer Verfasstheit der Gesellschaft- ein heroisch-martialisches Männerbild vor (zumindest in den oberen Schichten), das den Krieg als männlichen Tummelplatz, als Befriedigung von Geltungsbedürfnissen betrachtete.

 

Und dort wo viele Angreifer... da auch oft genug viele Verteidiger...Und oft genug verliefen die Grenzen zwischen Angreifern und Verteidigern fließend.. Gewalt und Krieg in der Agrargesellschaft war, so könnte man mit wenig Übertreibung feststellen, ein Dauerzustand...    

-------------------------------------------------

Heute dagegen ist die Quelle des meisten Reichtums nicht der Boden, sondern die Leistungs-Erbringung(im Ganzen) . Spezialisiert-diensteleistende Tätigkeiten und deren Ergebnisse ( Leistungen) , deren Niveau, und natürlich Wissen und Infrastruktur,  sind die Hauptgrundlage für den Reichtum einer Gesellschaft .( Was natürlich auch Boden/Bodenschätze einschließt- jedoch nicht mehr in dieser alles überragenden Bedeutung wie in der Agrargesellschaft.)

Kann man sich diese (Leistungserbringung; Leistungen) per Kriege aneignen? Würde sich dies lohnen ?

Hätte es für Deutschland Sinn, Frankreich zu überfallen, und beispielsweise die Renault-Werke zu okkupieren, die Belegschaft zu versklaven oder zu Zwangsarbeit oder zu Tributzahlungen zu verpflichten ....? Wie lange  würde dann dort auf hohem Niveau noch produziert werden ?  

Der Leistungserbringungsprozess ( auf höherem Niveau ) ist ein sensibles Ding. Tausende Räder greifen ineinander, die Leistungen werden immer komplexer. Schon ein Becher Joghurt benötigt die Zusammenarbeit von Dutzenden Leistungserbringern: Milchbauern, Viehfutterhersteller, Molkereimaschinenhersteller, Molkerei, Verpackungsmittelhersteller und deren Maschinenbauer, Drucktechnik ( für die bunte Verpackung) , Kraftfahrer, Handel/Discounter, Kühlmaschinenhersteller, Qualitäts-Überwacher  etc.....Ja im Grunde genommen trifft sich heute bereits in einer vergleichsweise geringkomplexen Leistung die halbe Leistungs- Erbringungs- Welt.  

Wie dann erst im hochkomplexen Automobilbau ? ! 

 Mit Gewalt kann man diese Art des Wirtschaftens, den heutigen hocharbeitsteiligen Leistungs- Erbringungs- Prozess , nicht dauerhaft oder ergiebig ausbeuten.Man kann ihn lediglich durch Krieg zerstören...

Sklavenaufseher in der Agrargesellschaft ( oder auf den Baumwollplantagen der südlichen USA)konnten sicher "hohe" Einsatzbereitschaft aus ihren Opfern herausknüppeln . Heutztage funktioniert dies in den modernen Arbeitswelten so nicht mehr.

 

Ja, Krieg(zwischen hochentwickelten Staaten) ist sogar völlig kontraproduktiv. Nach einem berühmten britischen Ökonom ( David Ricardo) ist nicht nur Handel zwischen Staaten auf  g l e i c h e m   Niveau für beide vorteilhaft- nein, auch bei unterschiedlichem Produktionsniveau sind beidseitige Vorteile möglich. Warum dann Krieg, wenn  Frieden ertragreicher sein kann und ist ?   

Wieviel Dinge des industriellen oder täglichen Bedarfs stammen mittlerweile aus fremden Ländern ? In wieviel Staaten exportiert ein durchschnittlich entwickeltes Industrieland heut ? 

Die Wirtschaft, der Konsum, der Leistungsprozess und möglicherweise die Politik( in der vernetzten,globalisierten Welt) würden im Falle von Kriegen ganz schnell zusammenbrechen... eine Horrorvision für jeden halbwegs Gebildeten in der Demokratie.

--------------------------------- 

In der Agrargesellschaft brachen fast immer die Eliten, der Gewalttätige Sektor den Krieg vom Zaum... die Herrscher, der Adel,etc....  Die heutigen Eliten, hauptsächlich Politik und Unternehmerschaft, können kein Interesse an der Heraufbeschwörung von Krieg haben: die Unternehmerschaft aus o.g. Gründen nicht, die Politik ist weitgehend demokratisch kontrolliert.... 

----------------------------------

----------------------------------

Wie erklärt sich dann  aber 1. und 2. Weltkrieg, der von einem Land (Deutschland) ausging, welches  den Großen Sprung in die Leistungsgesellschaft schon seit einigen Jahren vollzogen hatte, sich zu einem für damalige Verhältnisse hochmodernen, hochindustrialisierten Land wandelte, voll im Leistungsprozess stand und dennoch in übelster Manier zwei Raubkriege vom Zaum brach?  

Es gibt im Grunde genommen nur  e i n e  (systemische) Hauptantwort: Denkweisen und Wertesysteme werden in tradierter Form weitergegeben und überleben oftmals über Generationen.  Das kaiserliche und dem Führerprinzip zu Füßen liegende Deutschland war noch stark im Gewaltdenken der Agrargesellschaft verfangen. (Der Sprung in die Moderne gelang Deutschland relativ spät)  Kriegerischer Raub und Ruhm galten  als positiv, waren Haupttugenden - kein Wunder in einem stark militaristisch- preußisch geprägten Deutschland , zentralstaatlich vereint und gegründet   in Versailles,  im Herzen des 1871 bezwungenen Feindes Frankreich .

 

Und der 2. Weltkrieg hatte ähnliche Ursachen-  eine offizielle nationalsozialistische Parole lautete: "Lebensraum im Osten" . Krieg galt vielen Deutschen - die Agrargesellschaft war ideell noch nicht ganz überwunden- als vorteilhaft.    Natürlich war die Situation außer systemisch  auch hochgradig spezifisch: mit der Person Adolf Hitlers  agierte ein Politiker gegen den (sich allmählich internationalisierenden ) "Zeitgeist"  .... Mit dem   Auftreten  derartig pathologischer, aber eben auch sehr populistisch-starker-intelligenter Persönlichkeiten muss man in der Geschichte stets rechnen ...


Hochgradig tragisch das Schicksal der Juden: in einer eigentlich sich internationalisierenden Zeit, in welcher sich  Menschenrechte zunehmend durchsetzten( beispielsweise auch das Wahlrecht der Frau) , verstärkt sich in Deutschland eine rassistisch- chauvinistische Gegenbewegung, der letztlich Millionen Juden zum Opfer fallen. Auch hier liegt die Ursache in einerseits agrarisch überlebten Räuber- und Vernichtungs-  Denkweisen, andererseits in der spezifischen deutschen Situation mit der starken pathologischen Persönlichkeit an der Spitze der Politik ( Der Aufstieg des Nationalsozialismus erfolgt außerdem infolge verletzter Eitelkeiten aufgrund des Versailler Friedensvertrages, dem Einsetzen einer gigantischen Weltwirtschaftskrise und dem Versagen der noch sehr jungen, gering gefestigten Demokratie--- spezifische, keine systemischen Gründe ) .  

Das   Erstarken der  Nationalsozialisten, der Holocaust und der 2. Weltkrieg sind zum Teil ein (deutschlandspezifischer)Ausrutscher, zum Teil aber auch systemisch bestimmt ( tradiertes Denken aus der Agrargesellschaft)  . Heute wäre ein solcher (systemischer) Vorgang  nicht mehr denkbar - die modernen Gesellschaften haben sich im Denken aufgrund der Vertiefung des Leistungsprozesses komplett liberalisiert . Und sind tendendiell friedliebend. Krieg erscheint auch dem letzten Nationalisten als nicht mehr lohnenswert. Desweiteren lassen die modernen Medien wie Internet und Smartphone derartige massenhaft- grauenvolle Verbrechen wie in Auschwitz sicher nicht mehr zu -- Bilder würden in Sekundenschnelle um die Welt gehen und die Weltöffentlichkeit alarmieren... Potentielle Kriegstreiber müssten sich mit der Öffentlichkeit auseinandersetzen....

 

 

------------------------------------------------------

 Die "Kriege" des Westens, insbesondere der USA, in Vietnam,Afghanistan oder im Irak, fallen aus dem systemischen Schema ( Krieg als Gewaltanwendung zum Zwecke des "Raubes" ) heraus. Die USA, schon lange ein Staat in voller Blüte des Leistungsprozesses, "verhedderten" sich aus weltpolitischer Geltungssucht und Prestige sowie "freiheitlichem" Sendungsbewusstsein in diesen Abenteuern. Der "Krieg gegen den Terror" ist weniger ein "Krieg" denn eine gesamtstaatliche Polizeiaktion. Es mögen postkolonialische Hintergedanken ( Öl/Rohstoffe) in Teilen der US-amerikanischen Elite bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt haben...die "Kriege" gegen Vietnam, Irak und Afghanistan waren/sind aber keine klassischen, agrargesellschaftlichen, räuberischen ....        Sie waren/sind einfach nur politisch dumm und zeugen von einer Unfähigkeit der US-amerikanischen Politik, v e r n ü n f t i g   Einfluss und Vorbildwirkung auszuüben.

 

Es ist (systemisch)  nicht zu erwarten, dass sich künftig  ähnliche "Kriegs- Aktionen" , schon gar nicht mit globaler Auswirkung,  wiederholen werden. Individuelle Politikfehler aber(beispielsweise die eines allmächtigen und/oder populistischen Präsidenten)  sind stets denkbar. 

---------------

Der Einsatz der Alliierten in Libyen 2011, gedeckt von einem UNO-Mandat, oder auch der zur Befreiung des Kuweit von der irakischen Invasion 1990, ist eher als gesamtinternationale Polizei- /Befreiungsaktion zu werten zum Zwecke der Befreiung dieser Völker vom  Joch wildgewordener Diktatoren. Dies sind zwar klassische Kriege  der M i t t e l   nach, nicht aber hinsichtlich ihres Wesens . Diese Art Einsätze werden wohl leider noch öfter stattfinden....

 

------

Kriege in der 3. Welt, also Teilen Asiens, Teilen der islamischen Welt und insbesondere Afrika, werden auch in den nächsten Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit ausbrechen. Die Gründe hierfür sind relativ einfach darzulegen: 

Diese Länder und ihre Bevölkerungen sind in ihrer sozioökonomischen Entwicklung, der Reife des Leistungsprozessen, noch nicht sonderlich fortgeschritten. Sie sind noch stark in agrargesellschaftlichen Strukturen (hoher bäuerlicher,ländlicher Anteil bzw. Stadtbevölkerung in 1. Generation)  verhaftet, sind stark patriarchisch geprägt, der Bildungsstand ist gering, autoritäres Denken weit verbreitet ( die Sehnsucht nach einem starken Mann) -  ein bürgerlicher Mittelstand ist zahlenmäßig gering, absolute Armut ist massenhaft an der Tagesordung. Besonders das tradierte Denken, Fühlen, Verhalten dürfte noch lange dafür verantwortlich sein,dass man versuchen wird, Konflikte  kriegerisch zu lösen.

Kurz, auch auf die Gefahr hin politisch unkorrekt zu formulieren, muss konstatiert werden , dass diese Staaten/Bevölkerungen "unreif" hinsichtlich jener typischen Verhaltensweisen sind, die die Politik und das Bewusstsein in entwickelten Leistungs- Prozess-Ländern bestimmt.    

 Insbesondere Afghanistan bietet ein trauriges Beispiel für o.g. These: Hochgradig agrarisch und rückständig  geprägt,  religlös stark verhaftet, Denken in Stammeskategorien, geringe Bildung, extrem ausgeprägtes Patriarchat, kaum bürgerliche Schichten bzw. bürgerliches Leben... die sozioökonomische Reife, das Niveau des Leistungsprozesses ist nur sehr gering ausgeprägt. Eine Situation, die vergleichbar ist der mitteleuropäischen vor dem 30jährigen Krieg ( 16./17.Jh.) ----  Hier mit Gewalt von außen das Heil, d.h. Demokratisierung und Menschenrechte, zu bringen, ist vermessen, wenn nicht gar dumm. Die Deutschen im 17.Jh hätten mit Demokratisierung und Menschenrechten auch nicht viel anfangen können. Sie brauchten eine starke, ordnende Hand, die sie in Gestalt der absolutistischen Fürsten auch bekamen. Und die die Grundlage für bürgerliche Entwicklungen schufen. Afghanistan kann nicht in wenigen Jahren 400 Jahre Entwicklung aufholen... Afghanistan benötigt den Aufbau eines komplexen Leistungsprozesses und  (qualitativ dosiert)ganz viel moderne kulturelle Einflüsse (Radio, TV, Internet) , die aber die stark traditionell geprägten Menschen nicht überfordern darf. Und sehr wahrscheinlich ist eine autoritäre Herrschaft  dort sinnvoller denn eine  parlamentarische....

        

 ///////////////////////////////////////////////////////////////////////////

////////////////////////////////////////////////////////////////////////////

Fortsetzung unter : 

 http://gesch.phil-2.myblog.de/

 

 

 

24.1.14 14:43, kommentieren